Eine Liste / Sammlung lesenswerter Dichter - eingeordnet in die einzelnen Literaturepochen. Innerhalb der Epochen sind die Dichter alphabetisch sortiert. Die Epochengrenzen sind dabei nicht bei allen Autoren "scharf".
Literaturepochen haben keine exakt festgelegten Start- und Endjahre. Die Jahreszahlen sind deshalb Richtwerte und können je nach Quelle abweichen.

Mittelalter – ca. 500 bis 1500

Die mittelalterliche Literatur ist stark durch das Christentum und die ständische Gesellschaft geprägt. Neben religiösen Texten entwickelt sich insbesondere im Hochmittelalter eine weltliche höfische Literatur. In der Lyrik spielt der Minnesang eine zentrale Rolle.

Renaissance, Humanismus und Reformation – ca. 1500 bis 1600

Der Mensch rückt stärker in den Mittelpunkt. Die Wiederentdeckung der antiken Kultur und die Beschäftigung mit Bildung und Wissenschaft prägen den Humanismus. Gleichzeitig verändert die Reformation durch Martin Luther Religion, Gesellschaft und Sprache nachhaltig.

Barock – ca. 1600 bis 1720

Der Barock ist stark von den Erfahrungen des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) geprägt. Die Menschen erleben Tod, Zerstörung und Unsicherheit. Deshalb spielen Gegensätze und die Vergänglichkeit des Lebens eine große Rolle. Typische Schlagwörter sind „Vanitas“, „Carpe diem“ und „Memento mori“. In der Lyrik sind Sonette, Oden und Epigramme besonders wichtig.

Aufklärung – ca. 1720 bis 1790

Die Aufklärung stellt Vernunft, Wissen, Bildung und selbstständiges Denken in den Mittelpunkt. Menschen sollen sich von Vorurteilen und blindem Gehorsam lösen. Literatur soll häufig nicht nur unterhalten, sondern auch belehren und zur moralischen Verbesserung beitragen.

Empfindsamkeit – ca. 1740 bis 1790

Die Empfindsamkeit entsteht innerhalb der Aufklärung und legt stärkeres Gewicht auf Gefühle, Freundschaft, Natur, Religion und das persönliche Erleben. Nicht nur die Vernunft, sondern auch das empfindsame Herz des Menschen wird wichtig.

Sturm und Drang – ca. 1765 bis 1785

Der Sturm und Drang richtet sich gegen die starke Orientierung an Regeln und Vernunft. Im Mittelpunkt stehen Gefühl, Freiheit, Individualität und das schöpferische Genie. Junge Autoren lehnen gesellschaftliche Zwänge ab und stellen das persönliche Empfinden in den Mittelpunkt.

(Weimarer) Klassik – ca. 1786 bis 1805/1832

Die Weimarer Klassik orientiert sich an der Antike und strebt nach Harmonie zwischen Gefühl und Vernunft. Der Mensch soll sich zu einer freien, gebildeten und moralisch verantwortungsvollen Persönlichkeit entwickeln. Goethe und Schiller stehen im Zentrum dieser Epoche.

Romantik – ca. 1798 bis 1835

Die Romantik wendet sich gegen eine ausschließlich rationale Betrachtung der Welt. Sie interessiert sich für Gefühl, Fantasie, Traum, Natur, Nacht, Sehnsucht und das Geheimnisvolle. Besonders wichtig sind außerdem Mittelalter, Volkslieder und Märchen. Die Welt erscheint häufig als geheimnisvoll und mehrdeutig.

Biedermeier – ca. 1815 bis 1848

Die Epoche des Biedermeier fällt zeitlich mit der politischen Restaurationszeit zusammen. Viele Menschen ziehen sich angesichts politischer Einschränkungen ins Private und Alltägliche zurück. Familie, Heimat, Natur und häusliches Leben werden wichtige Themen. Gleichzeitig existiert aber auch gesellschaftlich kritische Literatur. Das Biedermeier überschneidet sich deshalb zeitlich und teilweise inhaltlich mit Romantik und Vormärz.

Vormärz / Junges Deutschland – ca. 1815/1830 bis 1848

Der Vormärz ist politisch und gesellschaftlich engagiert. Die Autoren kritisieren Zensur, soziale Ungleichheit, politische Unterdrückung und fehlende Freiheit. Literatur soll nicht nur schön sein, sondern gesellschaftliche Veränderungen anstoßen. Als markanter Einschnitt gilt die Revolution von 1848/49.

(Poetischer) Realismus – ca. 1848 bis 1890

Nach der Revolution von 1848 richtet sich die Literatur stärker auf die gesellschaftliche und alltägliche Wirklichkeit. Die Realität wird allerdings nicht einfach dokumentiert, sondern künstlerisch gestaltet. Humor, Ironie und eine gewisse Distanz sind typisch. In der Lyrik entstehen unter anderem genaue, bildhafte Natur- und Dinggedichte.

Naturalismus – ca. 1880 bis 1900

Der Naturalismus möchte die Wirklichkeit möglichst genau und ungeschönt darstellen. Besonders interessieren die Autoren soziale Probleme, Armut, Alkoholismus, Industrialisierung und das Leben der unteren Bevölkerungsschichten. Der Mensch wird stark durch Umwelt, Vererbung und gesellschaftliche Bedingungen beeinflusst gesehen.

Moderne – ca. 1890 bis 1920

Die Moderne ist keine einheitliche Epoche, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene neue literarische Strömungen. Die traditionelle Vorstellung von einer einheitlichen Wirklichkeit wird zunehmend infrage gestellt. Großstadt, technische Entwicklung, Individualisierung und innere Wahrnehmung gewinnen an Bedeutung.

Symbolismus – ca. 1890 bis 1920

Der Symbolismus betrachtet die Wirklichkeit nicht als etwas, das möglichst genau beschrieben werden soll. Stattdessen versucht der Dichter, durch Symbole, Bilder, Klang und Andeutungen eine tiefere Wirklichkeit auszudrücken.

Impressionismus – ca. 1890 bis 1910

Der literarische Impressionismus richtet den Blick vor allem auf subjektive Wahrnehmung und flüchtige Eindrücke. Die Dichter versuchen weniger, die Welt objektiv zu beschreiben, sondern geben wieder, wie ein Augenblick auf sie wirkt. Besonders wichtig sind Licht, Farben, Geräusche, Stimmungen und feine Veränderungen der Atmosphäre.
Der Impressionismus steht zeitlich zwischen Naturalismus und Expressionismus und überschneidet sich mit dem Symbolismus und dem literarischen Jugendstil.

Expressionismus – ca. 1910 bis 1925

Der Expressionismus reagiert auf die moderne Welt, Industrialisierung, Großstadt, Krieg und gesellschaftliche Krisen. Die Dichter wollen nicht einfach die äußere Wirklichkeit darstellen, sondern ihre innere Wahrnehmung und emotionale Erschütterung ausdrücken. Der Erste Weltkrieg verstärkt die Krisenerfahrung.

Neue Sachlichkeit / Exilliteratur – ca. 1919 bis 1933

Nach dem Ersten Weltkrieg entsteht eine Literatur, die sich stärker an Nüchternheit, Alltag und gesellschaftlicher Realität orientiert. Die Autoren verzichten häufig auf die stark emotionale und bildhafte Sprache des Expressionismus.

Nachkriegsliteratur / Trümmerliteratur – ca. 1945 bis 1950

Nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigen sich Schriftsteller mit den Folgen von Krieg und Nationalsozialismus. Die Literatur versucht, eine neue, möglichst klare Sprache zu finden. Zerstörung, Schuld, Heimkehr und Orientierungslosigkeit sind zentrale Themen.

 


 

Siehe auch: Gedichte von unbekannten Verfassern.

 

Anmerkung

Hinweis zu einigen Grenzfällen: Bei Autoren wie Hölderlin, Heine, Hebel, Rückert, Uhland, Kafka und Brecht gibt es je nach Lehrbuch unterschiedliche Zuordnungen.

  • Barock: Dazu gehören beispielsweise Abschatz, Fleming, Hoffmannswaldau, Lohenstein, Opitz, Rist, Silesius und Greiffenberg. Die übliche zeitliche Einordnung des Barock liegt ungefähr bei 1600–1720.
  • Aufklärung: Gellert, Lessing, Gleim, Götz, Hagedorn, Ramler usw. gehören überwiegend in die Aufklärung bzw. deren Strömungen Empfindsamkeit und Rokoko.
  • Goethe ist ein besonderer Fall: Sein Gesamtwerk umfasst Sturm und Drang, Weimarer Klassik und weitere Phasen.
  • Droste-Hülshoff, Mörike, Lenau und Grillparzer werden häufig dem Biedermeier zugerechnet; die Epocheneinteilung überschneidet sich hier mit Romantik bzw. Vormärz.
  • Hugo Ball, Paul Boldt, Georg Heym, Ernst Stadler, August Stramm und Else Lasker-Schüler gehören zum Umfeld des Expressionismus; Ball ist zusätzlich besonders eng mit dem Dadaismus verbunden.

 


 

Siehe auch: