Gottfried Benn
(* 1886-05-02, † 1956-07-07)
Geboren in Mansfeld bei Putlitz, Prignitz (Brandenburg); gestorben in Berlin.
Deutscher Dichter, Essayist und Arzt.

Einordnung

Gottfried Benn wurde am 2. Mai 1886 in Mansfeld in Brandenburg als Sohn eines evangelischen Pfarrers geboren. Er wuchs in einem streng religiösen Elternhaus auf, entfernte sich jedoch früh von dieser Weltanschauung. Nach dem Schulbesuch studierte Benn zunächst Theologie, wechselte aber bald zur Medizin. 1912 promovierte er und arbeitete anschließend als Arzt (vgl. „Der Arzt“), unter anderem in der Pathologie.

Berühmt wurde Benn 1912 mit dem Gedichtzyklus „Morgue und andere Gedichte“, der im selben Jahr erschien. Die Gedichte, etwa „Kleine Aster“, „Schöne Jugend“ und „Mann und Frau gehn durch die Krebsbaracke“, lösten einen Skandal aus. Benn zeigte darin Leichen, Krankheit, Verfall und Körperlichkeit in einer radikal nüchternen Sprache. Der Zyklus entstand im Umfeld seiner Arbeit als Arzt und Pathologe und gilt als eines der wichtigsten Werke des literarischen Expressionismus.

Mit der Lyrikerin Else Lasker-Schüler hatte Benn ab 1912 für etwa ein bis zwei Jahre eine intensiv Liebesbeziehung. Auch nach deren Ende bestand eine tiefe literarische Liaison, da beide sich noch lange Zeit gegenseitig literarisch verehrten und Gedichte widmeten. Über die Dichterin kam Benn mit den zur künstlerischen Avantgarde zählenden Peter Hille, Georg Trakl, Franz Werfel und George Grosz in Kontakt.
Durch Lasker-Schülers exzentrisches Äußeres mit kurzem Haarschnitt, Hosenanzügen und exotischem Schmuck bildete sie bei gemeinsamen Auftritten in der Öffentlichkeit zu dem stets mit Anzug, Weste, Krawatte, Melone und Gamaschen korrekt gekleideten Gottfried Benn einen denkbar großen Kontrast.

Während des Ersten Weltkriegs war Benn Militärarzt in Brüssel. Nach dem Krieg ließ er sich als Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Berlin nieder. Zugleich entwickelte er seine Dichtung weiter: In den 1920er-Jahren entfernte er sich vom frühen expressionistischen Schockstil und suchte nach einer stärker kunsttheoretischen, formbewussten Lyrik. Wichtige Werke dieser Phase sind etwa das Gedicht „Nachtcafé“ und der Essay „Das moderne Ich“. Benn beschäftigte sich zunehmend mit dem Gegensatz zwischen chaotischer Wirklichkeit und der ordnenden Kraft der Kunst.

Gottfried Benn war dreimal verheiratet (mit zahlreichen außerehelichen Affären) und hatte eine Tochter. Er heiratete Edith Brosin (geb. Osterloh; auch bekannt als Eva Brandt (1878 - 1922)) im Juli 1914. Die Tochter Nele wurde am 8. September 1915 geboren und starb 2012. Edith verstarb im November 1922 an den Folgen einer Operation.
Die Hochzeit mit Hertha von Wedemeyer (1887 - 1945) fand im im Januar 1938 statt. Sie nahm sich kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs das Leben.
Die Ehe mit Ilse Kaul (1913 - 1995) wurde im Dezember 1946 geschlossen. Die Zahnärztin blieb bis zu Benns Tod an seiner Seite.

Im Jahr 1928 hielt Benn die Grabrede für seinen Freund Klabund, im selben Jahr wurde er in den Berliner PEN-Club aufgenommen.

Problematisch ist Benns Haltung zum Nationalsozialismus. 1933 begrüßte er das neue Regime zunächst und hoffte auf eine geistige Erneuerung Deutschlands. Diese Haltung zeigte sich auch in Essays und Reden jener Zeit. Bald jedoch wurde Benn selbst von nationalsozialistischen Kulturpolitikern angegriffen; seine frühe expressionistische Dichtung galt als „entartet“. Er zog sich zunehmend zurück und trat 1935 wieder in die Wehrmacht ein, was er später als eine Art „innere Emigration“ bezeichnete. Während dieser Jahre entstanden dennoch bedeutende Gedichte, darunter „Einsamer nie“, das 1936 veröffentlicht wurde und Benns Gefühl existenzieller Isolation ausdrückt.

Nach 1945 war Benn wegen seiner anfänglichen Nähe zum Nationalsozialismus umstritten. Zunächst erhielt er Publikationsverbote, wurde aber bald wieder zu einer zentralen Figur der westdeutschen Nachkriegsliteratur. 1948 erschien „Statische Gedichte“, eine Sammlung, die seinen späten Ruhm begründete. Darin finden sich Texte wie „Nur zwei Dinge“ und „Verlorenes Ich“, die Benns reife Dichtung prägen: knapp, reflektiert, melancholisch und geprägt von Skepsis gegenüber Geschichte, Fortschritt und Politik. Kunst erscheint bei Benn nun als letzte Möglichkeit, dem Zerfall der Welt eine Form entgegenzusetzen.

1951 erhielt Benn den Georg-Büchner-Preis. In den 1950er-Jahren galt er als einer der bedeutendsten deutschen Lyriker der Moderne - und als westdeutscher Gegenpol zu Bertolt Brecht (poetisches "Janusgesicht").
Seine späten Gedichte verbinden strenge Form mit existenzieller Nachdenklichkeit und einer oft kühlen, distanzierten Sprache. Das „Gedicht“ (1955) ist ein poetologischer Text, in dem er seine Auffassung der Kunst reflektiert.

Gottfried Benn starb wenige Wochen nach seinem 70. Geburtstag am 7. Juli 1956 in Berlin und wurde auf dem Waldfriedhof Dahlem beigesetzt.





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Gedichte werden der literarischen Gattung der Lyrik zugeordnet und zeichnen sich durch besondere sprachliche Gestaltung aus. Sie sind meist relativ kurz und arbeiten mit Klang, Rhythmus, Bildern und Emotionen.
Das Wort „Dichter” geht auf das lateinische „dictāre“ zurück, was „mit Nachdruck sagen” bedeutet. Das Wort „Poet” hängt ebenso wie „Poesie” mit dem griechischen Verb „poiein“ zusammen, das unter anderem „schaffen” bedeutet.

Wir präsentieren hier eine Sammlung guter Gedichte, Sonette und Balladen des bekannten Dichters Gottfried Benn. In dieser Liste sind sowohl kurze & lange als auch lustige & nachdenkliche lyrische Werke enthalten.