Die Schatten wandeln nicht nur in den Hainen,
davor die Asphodelenwiese liegt,
sie wandeln unter uns und schon in deinen
Umarmungen, wenn noch der Traum dich wiegt.
Was ist das Fleisch - aus Rosen und aus Dornen,
was ist die Brust - aus Falten und aus Samt,
und was das Haar, die Achseln, die verworrnen
Vertiefungen, der Blick so heiß entflammt:
Es trägt das Einst: die früheren Vertrauten
und auch das Einst: wenn du es nicht mehr küßt,
hör gar nicht hin, die leisen und die lauten
Beteuerungen haben ihre Frist.
Und dann November, Einsamkeit, Tristesse,
Grab oder Stock, der den Gelähmten trägt -
die Himmel segnen nicht, nur die Zypresse,
der Trauerbaum, steht groß und unbewegt.
Das Gedicht "Tristesse" stammt von Gottfried Benn (1886 - 1956).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
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