Auf Nacht, Dunst, Schlacht, Frost, Wind, See, Hitz,

Süd, Ost, West, Nord, Sonn, Feur und Plagen.

Folgt Tag, Glanz, Blut, Schnee, Still, Land, Blitz,

Wärm, Hitz, Lust, Kält, Licht, Brand und Not:

Auf Leid, Pein, Schmach, Angst, Krieg, Ach, Kreuz,

Streit, Hohn, Schmerz, Qual, Tück, Schimpf als Spott

Will Freud, Zier, Ehr, Trost, Sieg, Rat, Nutz,

Fried, Lohn, Scherz, Ruh, Glück, Glimpf stets tagen.

Der Mond, Gunst, Rauch, Gems, Fisch, Gold, Perl,

Baum, Flamm, Storch, Frosch, Lamm, Ochs und Magen

Liebt Schein, Stroh, Dampf, Berg, Flut, Glut, Schaum,

Frucht, Asch, Dach, Teich, Feld, Wies und Brot:

Der Schütz, Mensch, Fleiß, Müh, Kunst, Spiel, Schiff,

Mund, Prinz, Rach, Sorg, Geiz, Treu und Gott

Sucht′s Ziel, Schlaf, Preis, Lob, Gunst, Zank, Port,

Kuß, Thron, Mord, Sarg, Geld, Hold, Danksagen.

Was gut, stark, schwer, recht, lang, groß, weiß,

Eins, ja, Luft, Feur, hoch, weit genennt,

Pflegt bös, schwach, leicht, krumm, breit, klein, schwarz,

Drei, neun, Erd, Flut, tief, nah zu meiden.

Auch Mut, Lieb, Klug, Witz, Geist, Seel, Freund,

Lust, Zier, Ruhm, Fried, Scherz, Lob muß scheiden,

Wo Furcht, Haß, Trug, Wein, Fleisch, Leib, Feind,

Weh, Schmach, Angst, Streit, Schmerz, Hohn schon rennt.

Alles wechselt, alles liebt,

Alles scheinet was zu hassen:

Wer aus diesem nach wird denken,

Muß der Menschen Weisheit fassen.


Das Gedicht "Der Wechsel menschlicher Plagen" stammt von   (1651 - 1689).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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