Doris:
Du siehest, wieviel mein Erröten
und Lächeln dir zärtlich verspricht.
Ist mehr als ein Blick dir vonnöten?
Oh, warum verstehst du mich nicht!
Empfindest und liebst du, so rede!
Du suchst mich und scheinst mich zu scheun.
Ist′s möglich, so klug und so blöde,
gerührt und doch sprachlos zu sein?
Damon:
Ich sehe mit reinem Verlangen
dich, Schönste; dies stehet mir frei:
die Arme, den Busen, die Wangen,
die seh′ ich und seufze dabei.
Oh, dürft′ ich, statt Seufzen und Klagen,
hier küssen und spielen und ruhn!
Ich bin zwar zu blöd, es zu sagen,
doch dreist und geschickt, es zu tun.
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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