Eine Sammlung schöner Liebesgedichte - moderne und auch Klassiker; sowohl lang als auch kurz.

 

Laß mich deine Augen fragen

Ob mein Mund auch dürfte nimmer
Liebesworte zu dir sagen,
Dürft' ich nur der Blicke Schimmer,
Dürft' ich deine Augen fragen.

Dir in Augen möchte ich lesen,
Forschen, wie in heil'gen Sagen,
Ob auf Sternen du gewesen
Eh' die Erde dich getragen?

Ach, ein Wort schafft hohe Wonne
Und ein Wort kann Wunden schlagen;
Laß aus deiner Augen Sonne
Nicht die Lippe mich verjagen.

Nie wird Eden leuchtend helle,
Nie mich deine Seele tragen;
Laß mich lauschen an der Schwelle,
Laß mich deine Augen fragen!

Peter Carl August Cornelius (1824 - 1874) war ein deutscher Komponist und Dichter.

 

 

Siehe auch: berühmte Balladen bekannter deutscher Dichter.

 


Dir zugeeignet und dir ganz gewogen
Bin ich, seit ich den Mut zum Du gefunden.
Was immer mir auch fehlt, ich muß gesunden
Solang mir deine Liebe nicht entzogen.

Das kleine Wort, das damals wir ernannten
Das unauffällig machte das Berühren
(Unwiderstehlich machte das Verführen)
Durch Monde ist es Hort deiner Verbannten.

Das Wort ist mir Umarmung, ist mir Kuß.
Die ich so lange auf dich warten muß
Ich küsse es in jedem deiner Briefe.

Und weine ich, wenn ich es lese, ist
Es nur, weil du dann wieder bei mir bist
Und ich bin ohne Wunsch. Als ob ich bei dir schliefe.

Margarete Steffin (1908 - 1941) war eine deutsche Schauspielerin und Schriftstellerin. Bei Theaterproben 1931 lernte sie Berthold Brecht kennen. Nach kurzer Zeit entwickelte sich eine enge Arbeits- und später Liebesbeziehung zu ihm. Das schriftstellerische Werk Margarete Steffins und ihr Einfluss auf das Schaffen der Brecht-Werkstatt wurde erst ab den 1960er-Jahren bekannt und gewürdigt.

 

Im speziellen Fall der Literatur sind Gedichte die Kunst, den eigenen geistigen Inhalt in Worten auszudrücken, traditionell durch Worte, die nach einem Metrum (Reimschema) angeordnet sind. Volksdichtung ist Poesie, die vom Volk geschaffen wurde, um seine Identität auszudrücken, durch elementare und bleibende Erfahrungen, in denen es sich als Volk wiedererkennt. Sie kann als „textuelle Form” verstanden werden – also als eine Art schriftlicher Text. Eine Sammlung verschiedener Gedichte oder Gedichte wird als Anthologie bezeichnet.
Ein Werk in Versform wird ebenfalls als Poesie bezeichnet. Wir können zwischen Werken, die in Versform geschrieben sind, und die Sammlung poetischer Werke eines Dichters oder verschiedener Dichter, die in einer bestimmten Epoche, Sprache, einem bestimmten Genre usw. entstanden sind. Als Poesie bezeichnet man den schönen Inhalt oder die schöne Form eines literarischen Werks. Traditionell werden drei poetische Gattungen unterschieden: das Epos, die Lyrik und die Dramatik.

 

Hoffnung

Ich denk an dich. Auf meiner Träumerei
Rauschenden Flügeln kommt ein neuer, hoher
Poetischer Gedanke mir; ihm ein' ich
Das alte tote Glück in meiner Seele.

Ich hoffe meiner Sehnsucht ganze Kraft
Dem neugeplanten Dichtwerk zu verleihen.
In dieser Hoffnung werf ich alle Qualen
Und allen meinen Kummer von mir ab.

(Dschenab Schehabüddin Bey, 19. Jh., türkische Liebeslyrik)

In der Nachdichtung von Hans Bethge 1876-1946.

Für Einen

Die Andern sind das weite Meer.
Du aber bist der Hafen.
So glaube mir: kannst ruhig schlafen,
Ich steure immer wieder her.

Denn all die Stürme, die mich trafen,
Sie ließen meine Segel leer.
Die Andern sind das bunte Meer,
Du aber bist der Hafen,

Du bist der Leuchtturm. Letztes Ziel.
Kannst Liebster, ruhig schlafen.
Die Andern ... das ist Wellenspiel,

Du aber bist der Hafen.

Mascha Kaléko, gebürtig Golda Malka Aufen (1907 - 1975), war eine deutschsprachige Dichterin jüdischer Herkunft.

Abgewandt warte ich auf dich

Abgewandt
warte ich auf dich
weit fort von den Lebenden weilst du
oder nahe.

Abgewandt
warte ich auf dich
denn nicht dürfen Freigelassene
mit Schlingen der Sehnsucht
eingefangen werden
noch gekrönt
mit der Krone aus Planetenstaub –

die Liebe ist eine Sandpflanze
die im Feuer dient
und nicht verzehrt wird –

Abgewandt
wartet sie auf dich –

Nelly Sachs (1891 - 1970) war eine deutsch-schwedische jüdische Schriftstellerin und Lyrikerin. Sie erhielt 1966 – gemeinsam mit Samuel Joseph Agnon – den Nobelpreis für Literatur.

Verwirrung

I

Es war dumpf von dem Lichte, das brannte.
Sein Blick war wie ein Strahlen so rein.
Ich bebte nur; ich erkannte:
Er kann mein Bändiger sein.
Er neigte sich - will etwas reden ...
Aus dem Antlitz wich mir das Blut.
So sei's, daß auf meinem Leben
Als Grabstein die Liebe ruht.

II

Du liebst mich nicht, schaust mich nicht an?
Verfluchter mit schönen Zügen!
Auch ich kann nicht fliegen hinan
Und konnte als Kind doch fliegen.
Den Blick hüllt Nebel mir ein;
Gesichter und Dinge zergehen.
Die rote Tulpe allein
Ist bei dir im Knopfloch zu sehen.

III

Wie's gebieten einfache Regeln,
Bist du lächelnd zu mir gekommen,
Und dann hast du halb zärtlich, halb träge
Meine Hand zum Kusse genommen. -
Und aus rätsel- alten Zeiten
Hat dein Blick meinen Blick gefunden ...

Und zehn Jahre Erstarrung und Leiden,
Aller Nächte schlaflose Stunden
Legt' in einem Worte ich nieder,
Und ich sprach es leise - vergebens.
Du gingst fort. Und in mir war wieder
Die Leere und Klarheit des Lebens.

Anna Andrejewna Achmatowa (1889 - 1966) war eine russische Dichterin und Schriftstellerin ukrainisch-russischer Herkunft. Sie gilt als die Seele des "Silbernen Zeitalters" in der russischen Literatur.

 

 

Glück

Arm war ich, eh' du strahlend mir begegnet:
Nun bin mit Wonn' und Lieb' ich reich gesegnet:
Dir ist nun Leib und Seele ganz verbunden:
Ich hab' in dir mein Ziel gefunden.

Therese Dahn, 1845-1929, deutsche Schriftstellerin

Cornelia

Du bist mir so fern!
Ich hätt Dich so gern!
Komm in die Straßenbahn,
Ich hör Dich schon nah'n,
Aufsteigt mein Liebeswahn.
Wann kommst Du an?
Wann, o wann!?

(Kurt Schwitters, 1887-1948, deutscher Künstler, Maler, Dichter)

Wiedersehen

Hast du das ganz vergessen,
Daß einst dein Arm in meinem hing
Und Wonne unermessen
Von deiner Hand in meine Hand
Von meinem Mund in deinen überging,
Und daß dein blondes Haar
Einst einen flüchtigen Frühling lang
Der selige Mantel meiner Liebe war,
Und daß die Welt einst duftete und klang,
Die jetzt so grau verdrossen liegt,
Von keinem Liebessturm, von keiner Torheit mehr gewiegt?
Was wir einander wehe tun,
Die Zeit verweht's, das Herz vergisst;
Die seligen Stunden aber ruhn
In einem Glanz, der ohne Ende ist.

Hermann Hesse, 1916

 

Erklär mir, Liebe

Dein Hut lüftet sich leis, grüßt, schwebt im Wind,
dein unbedeckter Kopf hat’s Wolken angetan,
dein Herz hat anderswo zu tun,
dein Mund verleibt sich neue Sprachen ein,
das Zittergras im Land nimmt überhand,
Sternblumen bläst der Sommer an und aus,
von Flocken blind erhebst du dein Gesicht,
du lachst und weinst und gehst an dir zugrund,
was soll dir noch geschehen –

Erklär mir, Liebe!

Der Pfau, in feierlichem Staunen, schlägt sein Rad,
die Taube stellt den Federkragen hoch,
vom Gurren überfüllt, dehnt sich die Luft,
der Enterich schreit, vom wilden Honig nimmt
das ganze Land, auch im gesetzten Park
hat jedes Beet ein goldener Staub umsäumt.

Der Fisch errötet, überholt den Schwarm
und stürzt durch Grotten ins Korallenbett.
Zur Silbersandmusik tanzt scheu der Skorpion
Der Käfer riecht die Herrlichste von weit;
hätt ich nur seinen Sinn, ich fühlte auch,
daß Flügel unter ihrem Panzer schimmern,
und nähm den Weg zum fernen Erdbeerstrauch!

Erklär mir, Liebe!

Wasser weiß zu reden,
die Welle nimmt die Welle an die Hand,
im Weinberg schwillt die Traube, springt und fällt.
So arglos tritt die Schnecke aus dem Haus!

Ein Stein weiß einen andern zu erweichen!

Erklär mir, Liebe, was ich nicht erklären kann:
Sollt ich die kurze schauerliche Zeit
nur mit Gedanken Umgang haben und allein
nichts Liebes kennen und nichts Liebes tun?
Muß einer denken? Wird er nicht vermisst?

Du sagst, es zählt ein andrer Geist auf ihn ...
Erklär mir nichts. Ich seh den Salamander
durch jedes Feuer gehen.
Kein Schauer jagt ihn, und es schmerzt ihn nichts.

Ingeborg Bachmann (1926 - 1973) war eine österreichische Schriftstellerin. Sie ist eine der bedeutendsten deutschsprachigen Autorinnen des 20. Jahrhunderts.

Es ist so viel buntes Geschehen

Es ist so viel buntes Geschehen
so viel lebendes Leben um mich -
ich könnte atmen und sehen
und könnte das Schönste verstehen,
wenn ich eines nicht hätte: dich.

So aber bist du mir das Leben,
und das andre ist stumpf und leer.
Und alle Wellen verebben
und können mir gar nichts geben,
das so fern wär' wie du und so schwer.

(Selma Meerbaum-Eisinger, 1924-1942, deutschsprachige Dichterin)

 

Stimme aus der Höhe

Lass die Zeit nur flüchten, stürmen:
Bange nicht, denn einer ist,
Der dich lieben wird und schirmen,
Wenn dich alles einst vergisst.

Aus den blinden Daseinswegen
Führt zu ihm ein dünner Pfad,
Wirst das Haupt zur Ruhe legen,
Das noch nicht gerastet hat.

Deine Hände wirst du falten,
Abgelöst vom Baum der Welt,
Und ein Schlummer wird dich halten,
Wie ein Herz die Liebe hält.

(David Goldfeld, 1904-1942, Österreich-Ungarn, heute Ukraine)

 

Du bist nicht da

Ich gehe wie mein eigner böser Geist
In meiner Wohnung um und um und um.
Mein Schatten folgt mir eilig, still und stumm,
Ich fühle eng und lauernd mich umkreist,
Ich fühle mich verloren und entgleist.

Du bist nicht da. - Das macht die Welt so dumpf.
Ich höre nichts, als meinen eignen Schritt,
Der läuft geschäftig mit mir mit und mit ...
Die Zeit indes schleicht langsam, träg und stumpf
Und mündet trüb in einem trüben Sumpf.

(Lessie Sachs, 1897-1942, deutsche Dichterin)

Bitte

Kleide mich in Liebe
denn ich bin nackt,
bin unbewohnte Stadt,
benommen von Lärm
taub von Trillern
trockenes Blatt im März.

Umhülle mich mit Freude,
ich wurde nicht geboren,
um traurig zu sein,
die Traurigkeit ist mir zu weit
wie ein fremdes Kleid.

Ich will wieder brennen,
den salzigen Geschmack
der Tränen vergessen,
die Löcher in den Lilien,
die tote Schwalbe auf dem Balkon.

Noch einmal mich wiegen
im wehenden Wind
schäumende Welle
Meer über den Klippen
meiner Kindheit
Sterne in den Händen
lachende Lampe auf dem Weg
zum Spiegel
in dem ich mich wieder schaue
heilen Leibes
beschützt
an die Hand genommen
vom Licht
von grüner Wiese und Vulkanen
das Haar voller Spatzen
Schmetterlinge sprießen
aus meinen Fingern
Luft nistet in den Zähnen
und kehrt zurück zur Ordnung
des Universums bewohnt
von Zentauren.

Kleide mich in Liebe
denn ich bin nackt.

Gioconda Belli (* 9. Dezember 1948 in Managua, Nicaragua) ist als nicaraguanische Schriftstellerin und Lyrikerin eine der international bekanntesten lateinamerikanischen Autorinnen.

 

 

Das eine Höchste, was das Leben schmückt,
Wenn sich ein Herz, entzückend und entzückt,
Dem Herzen schenkt in süßen Selbstvergessen.
[Friedrich Schiller]

Erst kommen die Flitter-, dann die Gewitterwochen.
[Eduard Maria Oettinger (1808 - 1872), deutscher Journalist, Schriftsteller und Bibliograph]

Das Schönste aber hier auf Erden,
ist lieben und geliebt zu werden!
[Wilhelm Busch]

Zweifle an der Sonne Klarheit,
Zweifle an der Sterne Licht,
Zweifl', ob lügen kann die Wahrheit,
Nur an meiner Liebe nicht.
[Quelle: Tragödie "Hamlet, Prinz von Dänemark", William Shakespeare]

 

Einem Schönen

Auf Rosenblätter will ich seinen Namen und sein Leben hauchen,
Damit die Nachtigallen, wenn sie mild in schwüle Düfte tauchen,
Sein Lob aus allen Zweigen klingend singen –
Und ihm die Liebe einer Welt erringen!

(Elsa Asenijeff, 1867-1941, österreichische Schriftstellerin)

Vergebens bemühen

Dass wir uns lieben, hab ich abgestritten,
Mit heftigen Worten hab ich es geleugnet,
Ich habe mich so angestrengt mit Leugnen,
Wie man sich anstrengt, wenn man einen Lastkahn
Am Kap des leuchtenden Naniwa-Hafens
Mit einem Seile mühevoll dahinzieht, -
Und dennoch bin ich, nichts hat mir genützt,
In das Gerede aller Welt gekommen!

(Unbekannter Autor, japanische Liebeslyrik)

In der Nachdichtung von Hans Bethge 1876-1946.

 


O Mondlicht, wunderbares,
Ein Jahr ist's, seit im Hag
Dein Leuchten schien, dein klares
Mir zum Verlobungstag!

O dunkellaub'ge Rüstern,
Noch rauscht von Baum zu Baum
Der Winde sanftes Flüstern,
Und klingt in meinen Traum!

O Strom im Dämmerweben,
Laß blinken deine Flut,
Ein Theil von meinem Leben
In deinem Schooße ruht!

O Sterne, unsre Liebe
Habt ihr allein belauscht,
Als heißer Sehnsucht Triebe
Zwei Herzen hold getauscht.

O sel'ge Nacht, gieb wieder
All ihre Küsse mir;
Wo nicht, so send' ihr nieder
Vielsüßen Traum von mir.

(James Russell Lowell, 1819-1891, amerikanischer Lyriker, Essayist)

Übersetzt von Adolf Strodtmann 1829-1879.

 

 

Wenn der unglücklich Verliebte sich nach Küssen sehnt, deren Süße er nicht kennt, so ist tausendmal unglücklicher, der sie kennt, und dem sie dann verwehrt werden.


 

Liebe bedeutet,
das Leben dessen zu leben,
den man liebt.

Lew Tolstoj (* 1828-09-09, † 1910-11-20)
Voller Name: Lew Nikolajewitsch Graf Tolstoj,
häufig auch: Leo Tolstoi.
Geboren in Jasnaja Poljana bei Tula, gestorben in Astapowo.
Russischer Schriftsteller.

 


Daz es kein edele herze enbirt,
sît ez hie von geherzet wirt.
ich weiz es wârez alse den tôt
und erkenne ez bî der selben nôt:
der edele senedaere
der minnet senediu maere.
von diu swer seneder maere ger,
der envar niht verrer danne her.
ich wil in wol bemaeren
von edelen senedaeren,
die reiner sene wol tâten schîn:
ein senedaere unde ein senedaerîn,
ein man ein wîp, ein wîp ein man,
Tristan Isolt, Isolt Tristan.

Gottfried von Straßburg (* 0000-00-00, † 1215-00-00)
Einer der bedeutendsten deutschen Dichter des Mittelalters, lebte Ende des 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts.

 

 

Siehe auch: