Eine Sammlung schöner Liebesgedichte - moderne und auch Klassiker; sowohl lang als auch kurz.

Im speziellen Fall der Literatur sind Gedichte die Kunst, den eigenen geistigen Inhalt in Worten auszudrücken, traditionell durch Worte, die nach einem Metrum (Reimschema) angeordnet sind. Volksdichtung ist Poesie, die vom Volk geschaffen wurde, um seine Identität auszudrücken, durch elementare und bleibende Erfahrungen, in denen es sich als Volk wiedererkennt. Sie kann als „textuelle Form” verstanden werden – also als eine Art schriftlicher Text. Eine Sammlung verschiedener Gedichte oder Gedichte wird als Anthologie bezeichnet.
Ein Werk in Versform wird ebenfalls als Poesie bezeichnet. Wir können zwischen Werken, die in Versform geschrieben sind, und die Sammlung poetischer Werke eines Dichters oder verschiedener Dichter, die in einer bestimmten Epoche, Sprache, einem bestimmten Genre usw. entstanden sind. Als Poesie bezeichnet man den schönen Inhalt oder die schöne Form eines literarischen Werks. Traditionell werden drei poetische Gattungen unterschieden: das Epos, die Lyrik und die Dramatik.

 

Hoffnung

Ich denk an dich. Auf meiner Träumerei
Rauschenden Flügeln kommt ein neuer, hoher
Poetischer Gedanke mir; ihm ein' ich
Das alte tote Glück in meiner Seele.

Ich hoffe meiner Sehnsucht ganze Kraft
Dem neugeplanten Dichtwerk zu verleihen.
In dieser Hoffnung werf ich alle Qualen
Und allen meinen Kummer von mir ab.

(Dschenab Schehabüddin Bey, 19. Jh., türkische Liebeslyrik)

In der Nachdichtung von Hans Bethge 1876-1946.

 

Glück

Arm war ich, eh' du strahlend mir begegnet:
Nun bin mit Wonn' und Lieb' ich reich gesegnet:
Dir ist nun Leib und Seele ganz verbunden:
Ich hab' in dir mein Ziel gefunden.

Therese Dahn, 1845-1929, deutsche Schriftstellerin

Cornelia

Du bist mir so fern!
Ich hätt Dich so gern!
Komm in die Straßenbahn,
Ich hör Dich schon nah'n,
Aufsteigt mein Liebeswahn.
Wann kommst Du an?
Wann, o wann!?

(Kurt Schwitters, 1887-1948, deutscher Künstler, Maler, Dichter)

 

Es ist so viel buntes Geschehen

Es ist so viel buntes Geschehen
so viel lebendes Leben um mich -
ich könnte atmen und sehen
und könnte das Schönste verstehen,
wenn ich eines nicht hätte: dich.

So aber bist du mir das Leben,
und das andre ist stumpf und leer.
Und alle Wellen verebben
und können mir gar nichts geben,
das so fern wär' wie du und so schwer.

(Selma Meerbaum-Eisinger, 1924-1942, deutschsprachige Dichterin)

 

Stimme aus der Höhe

Lass die Zeit nur flüchten, stürmen:
Bange nicht, denn einer ist,
Der dich lieben wird und schirmen,
Wenn dich alles einst vergisst.

Aus den blinden Daseinswegen
Führt zu ihm ein dünner Pfad,
Wirst das Haupt zur Ruhe legen,
Das noch nicht gerastet hat.

Deine Hände wirst du falten,
Abgelöst vom Baum der Welt,
Und ein Schlummer wird dich halten,
Wie ein Herz die Liebe hält.

(David Goldfeld, 1904-1942, Österreich-Ungarn, heute Ukraine)

 

Du bist nicht da

Ich gehe wie mein eigner böser Geist
In meiner Wohnung um und um und um.
Mein Schatten folgt mir eilig, still und stumm,
Ich fühle eng und lauernd mich umkreist,
Ich fühle mich verloren und entgleist.

Du bist nicht da. - Das macht die Welt so dumpf.
Ich höre nichts, als meinen eignen Schritt,
Der läuft geschäftig mit mir mit und mit ...
Die Zeit indes schleicht langsam, träg und stumpf
Und mündet trüb in einem trüben Sumpf.

(Lessie Sachs, 1897-1942, deutsche Dichterin)

 

Einem Schönen

Auf Rosenblätter will ich seinen Namen und sein Leben hauchen,
Damit die Nachtigallen, wenn sie mild in schwüle Düfte tauchen,
Sein Lob aus allen Zweigen klingend singen –
Und ihm die Liebe einer Welt erringen!

(Elsa Asenijeff, 1867-1941, österreichische Schriftstellerin)

Vergebens bemühen

Dass wir uns lieben, hab ich abgestritten,
Mit heftigen Worten hab ich es geleugnet,
Ich habe mich so angestrengt mit Leugnen,
Wie man sich anstrengt, wenn man einen Lastkahn
Am Kap des leuchtenden Naniwa-Hafens
Mit einem Seile mühevoll dahinzieht, -
Und dennoch bin ich, nichts hat mir genützt,
In das Gerede aller Welt gekommen!

(Unbekannter Autor, japanische Liebeslyrik)

In der Nachdichtung von Hans Bethge 1876-1946.

 

O Mondlicht, wunderbares

O Mondlicht, wunderbares,
Ein Jahr ist's, seit im Hag
Dein Leuchten schien, dein klares
Mir zum Verlobungstag!

O dunkellaub'ge Rüstern,
Noch rauscht von Baum zu Baum
Der Winde sanftes Flüstern,
Und klingt in meinen Traum!

O Strom im Dämmerweben,
Laß blinken deine Flut,
Ein Theil von meinem Leben
In deinem Schooße ruht!

O Sterne, unsre Liebe
Habt ihr allein belauscht,
Als heißer Sehnsucht Triebe
Zwei Herzen hold getauscht.

O sel'ge Nacht, gieb wieder
All ihre Küsse mir;
Wo nicht, so send' ihr nieder
Vielsüßen Traum von mir.

(James Russell Lowell, 1819-1891, amerikanischer Lyriker, Essayist)

Übersetzt von Adolf Strodtmann 1829-1879.