Meine Ruh′ ist hin,

Mein Herz ist schwer;

Ich finde sie nimmer

und nimmermehr.

 

Wo ich ihn nicht hab′,

Ist mir das Grab,

Die ganze Welt

Ist mir vergällt.

 

Mein armer Kopf

Ist mir verrückt,

Meiner armer Sinn

Ist mir zerstückt.

 

Meine Ruh′ ist hin,

Mein Herz ist schwer,

Ich finde sie nimmer

und nimmermehr.

 

Nach ihm nur schau′ ich

Zum Fenster hinaus,

Nach ihm nur geh ich

Aus dem Haus.

 

Sein hoher Gang,

Sein edle Gestalt,

Seines Mundes Lächeln,

Seiner Augen Gewalt,

 

Und seiner Rede

Zauberfluß,

Sein Händedruck,

Und ach! sein Kuß!

 

Meine Ruh′ ist hin,

Mein Herz ist schwer,

Ich finde sie nimmer

und nimmermehr.

 

Mein Busen drängt

Sich nach ihm hin,

Ach dürft′ ich fassen

Und halten ihn,

 

Und küssen ihn,

So wie ich wollt′,

An seinen Küssen

Vergehen sollt′!

 

(aus: Faust I)


Das Gedicht "Meine Ruh′ ist hin" stammt von (* 1749-08-28, † 1832-03-22).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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