Fordre nicht, daß ich mit Worten sage

Was mich quält und peinigt jeden Tag!

Müde bin ich, daß ich keine Worte

Auch von deinen Lippen hören mag.

 

Menschen haben mir so viel mit Weisheit

Und mit leerem Troste zugesetzt,

Daß vor ihrer wortbehenden Liebe

Wahrlich sich mein scheues Ohr entsetzt.

 

Laß du mich in deine weichen Hände

Stumm vergraben Stirn und Wangen nur;

Dann empfind´ich schauernd deine Liebe

Wie den leisen Odem der Natur.

 

Und zu dir zieht mich dieselbe Lockung

Ewigen Friedens, der ich oft gelauscht,

Die aus Quellen flüstert und aus Blumen

Und von hohen, heil´gen Bäumen rauscht.


Das Gedicht "Natur und Liebe" stammt von (* 1862-10-07, † 1926-03-05).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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