O du, wenn deine Lippen mich berühren,

Dann will die Lust die Seele mir entführen.

Ich fühle tief ein namenloses Beben

Den Busen heben.

 

Mein Auge flammt,

Glut schwebt auf meinen Wangen;

Es schlägt mein Herz

Ein unbekannt Verlangen;

Mein Geist, verirrt

In trunkner Lippen Stammeln

Kann kaum sich sammeln.

 

Mein Leben hängt in einer solchen Stunde

An deinem süßen, rosenweichen Munde,

Und will, bei deinem trauten Armumfassen,

Mich fast verlassen.

 

O! daß es doch nicht außer

Sich kann fliehen

Die Seele ganz in deiner Seele glühen!

Daß doch die Lippen,

Die voll Sehnsucht brennen,

Sich müssen trennen!

 

Daß doch im Kuß

Mein Wesen nicht zerfließet

Wenn es so fest an deinen Mund

Sich schließet,

Und an dein Herz,

Das niemals laut darf wagen

Für mich zu schlagen!


Das Gedicht "Heimliches Lieben" stammt von   (1753 - 1801).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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