Die Liebe saß als Nachtigall

im Rosenbusch und sang;

es flog der wundersüße Schall

den grünen Wald entlang.

 

Und wie er klang, da stieg im Kreis

aus tausend Kelchen Duft,

und alle Wipfel rauschten leis′,

und leiser ging die Luft;

 

die Bäche schwiegen, die noch kaum

geplätschert von den Höh′n,

die Rehlein standen wie im Traum

und lauschten dem Getön.

 

Und hell und immer heller floß

der Sonne Glanz herein,

um Blumen, Wald und Schlucht ergoß

sich goldig roter Schein.

 

Ich aber zog den Weg entlang

und hörte auch den Schall.

Ach! was seit jener Stund′ ich sang,

war nur sein Widerhall.


Das Gedicht "Die Liebe saß als Nachtigall" stammt von (* 1815-10-17, † 1884-04-06).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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