Wenn ich, von deinem Anschaun tief gestillt,

Mich stumm an deinem heilgen Wert vergnüge,

dann hör ich recht die leisen Atemzüge

Des Engels, welcher sich in dir verhüllt.

 

Und ein erstaunt, ein fragend Lächeln quillt

Auf meinen Mund, ob mich kein Traum betrüge,

Daß nun in dir, zu ewiger Genüge,

Mein kühnster Wunsch, mein einzger, sich erfüllt?

 

Von Tiefe dann zu Tiefen stürzt mein Sinn,

Ich höre aus der Gottheit nächtger Ferne

Die Quellen des Geschicks melodisch rauschen.

 

Betäubt kehr ich den Blick nach oben hin,

Zum Himmel auf - da lächeln alle Sterne;

Ich kniee, ihrem Lichtgesang zu lauschen.


Das Gedicht "An die Geliebte" stammt von (* 1804-09-08, † 1875-06-04).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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