Soll ich Dich einem Sommertag vergleichen?
Nein, Du bist lieblicher und frischer weit -
Durch Maienblüthen rauhe Winde streichen
Und kurz nur währt des Sommers Herrlichkeit.

Zu feurig oft läßt er sein Auge glühen,
Oft auch verhüllt sich seine goldne Spur,
Und seiner Schönheit Fülle muß verblühen
Im nimmerruh'nden Wechsel der Natur.

Nie aber soll Dein ewiger Sommer schwinden,
Die Zeit wird Deiner Schönheit nicht verderblich,
Nie soll des neidischen Todes Blick Dich finden,
Denn fort lebst Du in meinem Lied unsterblich.

So lange Menschen atmen, Augen sehn,
Wirst Du, wie mein Gesang, nicht untergehn.

Übersetzt von Friedrich Bodenstedt (1866)


Vergleich' ich Dich dem Tag im holden Lenze?
Du bist viel süßer, bist Dir immer gleich:
Der Sturm zerreißt des Mayen Blüten-Kränze,
Und kurze Zeit nur steht des Frühlings Reich.

Bald scheint zu heiß herab des Himmels Licht,
Bald hüllt in Wolken sich die goldne Spur.
Kein Schönes, dem nicht Schönheit oft gebricht,
Des Schmuck's beraubt durch Zufall und Natur.

Jedoch Dein ew'ger Lenz soll nie verblühn;
Nichts diese Zierde, die Dir eigen, kränken;
Der Tod nie prahlend in sein Reich dich ziehn,
Da ew'ge Zeilen Dauer schenken.

So lang', als Augen sehn und Menschen leben,
Lebt dies, um ew'ge Jugend Dir zu geben.

Übersetzt von Dorothea Tieck (1826)


Der Text des Gedichts "Sonett 18" stammt von (* 1564-00-00, † 1616-05-03).




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