Eine Liste / Sammlung lesenswerter Dichter - eingeordnet in die einzelnen Literaturepochen. Innerhalb der Epochen sind die Lyriker alphabetisch sortiert. Jeder Poet ist genau einer Epoche zugeordnet, auch wenn sein Werk in mehrere Epochen fällt. Die Epochengrenzen sind zudem nicht bei allen Dichtern "scharf".
Literaturepochen haben keine exakt festgelegten Start- und Endjahre. Die Jahreszahlen sind deshalb Richtwerte und können je nach Quelle variieren.

Die folgenden Literaturepochen befinden sich in dieser Übersicht:
Eine literarische Epoche ist eine Ära in der Geschichte der Welt- oder Nationalliteratur, in der ähnliche literarische Strömungen vorherrschen Die Bestimmung literarischer Epochen ist mit der literaturgeschichtlichen Periodisierung verknüpft, die soziale, historische, politische und kulturelle Kriterien berücksichtigt.
Die Grenzen literarischer Epochen sind so gut wie immer fließend, da der Übergang von einer Epoche zur nächsten mit tiefgreifenden kulturellen und gesellschaftlichen Umwälzungen einhergeht und sich meist allmählich und in unterschiedlichem Tempo in verschiedenen Bereichen der jeweiligen Kultur vollzieht. Gelegentlich ist der Epochenwechsel mit einem oder mehreren bedeutenden Ereignissen verbunden, die den für die jeweilige Epoche charakteristischen Wandel symbolisieren und eine Zäsur zur vorhergehenden Epoche darstellen. Ein entscheidendes Element, das den Charakter einer Epoche prägt, ist ihre Philosophie, die die Art der intellektuellen Bildung und das geistige Klima der entstandenen Werke definiert.

Unbedingt zu beachten ist, dass die Einteilung in Epochen so gut wie immer rückwirkend geschieht, und das bei Literaturepochen ein "bestimmendes Ereignis" sich häufig nicht ausmachen lässt.

Hinweis: Es gibt zwar einige seltene "Schätze", aber wenn ein Dichter (oder Gedicht) nicht wirklich bekannt ist, gibt es meistens (wenn auch nicht immer) "gute Gründe" dafür.
Dennoch sind einige der eher unbekannten Lyriker (insbesondere diejenigen, die nicht in der Übersicht der DichterInnen auf der Startseite gelistet sind) mit einem Stern (*) bewertet - nur als Orientierung. Herausragende Lyriker (vgl. Berühmte Dichter) einer Epoche sind mit 2 (**) oder 3 (***) Sternen gekennzeichnet. Bei Epochen mit nur einer Handvoll Poeten wurde auf eine Bewertung verzichtet.
Dichter mit 7 oder weniger Gedichten sind in Normalschrift wiedergegeben (eine rein quantitative Auszeichnung, keine qualitative).

Mittelalter – ca. 500 bis 1500

Die mittelalterliche Literatur ist stark durch das Christentum und die ständische Gesellschaft geprägt. Die überwiegende Mehrheit des Volkes konnte damals weder lesen noch schreiben. Die Gesellschaft ist hierarchisch geordnet; Gott steht über allem.
Neben religiösen Texten entwickelt sich insbesondere im Hochmittelalter eine weltliche höfische Literatur (Mittelhochdeutsch). Im Fokus stehen Treue (triuwe), Maß (mâze), Ehre und höfische Liebe (Minne).

Typische Merkmale: starke mündliche (bzw. anonyme) Tradition / Minnesang / Motive: Christentum, Rittertum, höfische Gesellschaft, Liebe.

Renaissance, Humanismus und Reformation – ca. 1500 bis 1600

Renaissance ist das französische Wort für „Wiedergeburt“. Die Wiederentdeckung der antiken griechischen und römischen Kultur und die Beschäftigung mit der Wissenschaft (vgl. Galileo Galilei (1564 - 1641)) prägen den Humanismus (vom lateinischen humanitas = Menschlichkeit). Der Mensch und seine Würde rücken in den Mittelpunkt, nicht mehr nur Gott und die Kirche. Gleichzeitig verändert die Reformation durch Martin Luther Religion, Gesellschaft und Sprache nachhaltig. Neben Latein etablierte sich zunehmend die jeweilige Landessprache als Literatursprache. Durch Johannes Gutenbergs (1400 - 1468) Erfindung des Buchdrucks konnten Schriften schnell verbreitet werden.

Typische Merkmale: Wiederentdeckung der Antike / religiöse Auseinandersetzungen / stärkere Verwendung der Volkssprache / Motive: Individualismus, Bildung & Wissenschaft, Humanismus.

Barock – ca. 1600 bis 1720

Das Wort Barock stammt vom portugiesischen Begriff "barroco" ab, der eine unregelmäßige, schiefrunde Perle bezeichnet. Später entwickelte sich auch über das französische "baroque" die allgemeine Bedeutung „sonderbar“, „skurril“ oder „überladen“. Lange Zeit wurde der Begriff abwertend für die überschwängliche, prunkvolle Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts genutzt.

Die Literaturepoche des Barock ist stark von den Erfahrungen des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) geprägt. Dieser hat den en mittelalterlichen Dualismus zwischen Diesseits und Jenseits wiederbelebt. Die Menschen erleben Tod, Zerstörung und Unsicherheit. Nicht mehr Optimismus, sondern Pessimismus prägt das Lebensgefühl. Deshalb spielen Gegensätze und die Vergänglichkeit des Lebens eine große Rolle. Typische Schlagwörter sind „Vanitas“ (Vergänglichkeit), „Memento mori“ (Bedenke, dass du sterben musst), und „Carpe diem“ (vgl. das Sonett Es ist alles eitel.)
In der Lyrik sind Sonette (mit dem starren Versmaß des Alexandriners), Oden und Epigramme besonders wichtig. Martin Opitz schuf mit dem Buch "Von der Deutschen Poeterey" (1624) eine Anleitung für regelgeleitetes Dichten.

Typische Merkmale: krasse Gegensätze / kunstvolle Sprache / Motive: Vergänglichkeit, Diesseits & Jenseits, Tod, Krieg.

Aufklärung – ca. 1720 bis 1790

Die Aufklärung stellt Wissen, Bildung, Toleranz und selbstständiges Denken in den Mittelpunkt. Als wichtiges Kennzeichen der Aufklärung gilt die Berufung auf die Vernunft als universelle Urteilsinstanz. Menschen sollen sich von Vorurteilen und blindem Gehorsam lösen. Motto: „Sapere aude!“ - von Immanuel Kant („Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“).
Eine neue soziale Schicht, das Bürgertum, hatte sich entwickelt und war durch Handel und das eben erst aufkommende Industriewesen zu (relativen) Reichtum gekommen. Gesellschaftspolitisch stand das Bürgertum in Opposition zum Adel (Feudalsystem) und zielte auf mehr persönliche Handlungsfreiheit (Emanzipation), Bildung, Bürgerrechte, allgemeine Menschenrechte und das Gemeinwohl als Staatspflicht.
In der Philosophiegeschichte fällt der Beginn der Moderne (als Teil der Neuzeit: nach Altertum und Mittelalter die dritte historische Großepoche) mit dem Skeptizismus der Vordenker der Aufklärung (Montaigne, Descartes, Spinoza) zusammen. Das Wort leitet sich vom lateinischen modo („gerade eben“, „jetzt“, „neuzeitlich“) ab. Es beschreibt eine kritische und bewusste Auseinandersetzung mit der jeweiligen Gegenwart im Gegensatz zur Tradition. Siehe auch den Essay Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (1784) von Immanuel Kant.

Literatur soll häufig nicht nur unterhalten, sondern auch belehren und zur moralischen Verbesserung beitragen. Die Sprache wurde verständlicher, klarer und wandte sich von den verschnörkelten Formen des Barock ab. Das "Bürgerliche Trauerspiel" (Drama) rückte erstmals den (bürgerlichen) Menschen und seinem Alltag (und nicht nur adlige Helden) in den Mittelpunkt.

Typische Merkmale: klare Sprache / selbstständiges Denken / moralisierende Geisteshaltung / Fabel, Parabel und Lehrgedicht / Motive: Kritik an Kirche und absolutistischer Herrschaft, Toleranz, Vernunft, Humanität.

Empfindsamkeit – ca. 1740 bis 1790

Die Empfindsamkeit ergänzte den reinen Verstand (Rationalismus) der Aufklärung durch das bewusste Zulassen von Gefühlen, Natur (als Ort der Andacht) Religion und das persönliche Erleben. Nicht nur die Vernunft, sondern auch das empfindsame Herz des Menschen wird wichtig und zeichnet den guten, sittlichen Menschen aus.
Der Blick richtet sich stark nach innen in die eigene Seele (Introspektion); Tränen, Melancholie und Begeisterung werden offen gezeigt. Einige Dichter der Epoche sind durch den Pietismus (eine innere, gefühlsbetonte Frömmigkeit) beeinflusst.

Typische Merkmale: einfache, gefühlvolle Sprache / Sensibilität / Emotionen und Innerlichkeit / Motive: Natur, Freundschaft, Seelenverwandtschaft, Liebe, religiöse Empfindungen.

Sturm und Drang – ca. 1765 bis 1785

Der Sturm und Drang war eine Art literarische Protestbewegung junger Autoren in Deutschland, die als Gegenbewegung zur Orientierung an Regeln und Vernunft der Aufklärung entstand. Das Ideal war das autonome, schöpferische Genie (Geniezeit), das nach eigenen Regeln lebt und sich gegen Autoritäten wie Adel, Kirche oder Eltern auflehnt. Die Sprache war expressiv, direkt und emotional – oft mit Ausrufen, Halbsätzen und Kraftausdrücken.
Goethes fulminanter Briefroman Die Leiden des jungen Werthers (1774) hat einen durchschlagenden Erfolg ebenso wie Schillers Bühnenerstling "Die Räuber" (1781).

Der Stil des Volkslieds wurde wieder entdeckt und umgearbeitet (Erlebnislyrik); dabei bedienen sich die Poeten häufig der Natur als Mittel zur Darstellung des Gemütszustandes des lyrischen Ichs.
In der Lyrik entstehen auch zunehmend Hymnen, die oft auf feste Reime und gleichmäßige Metren verzichten (Freie Rhythmen"; vgl. die Gedichte Prometheus (1771) sowie An die Freude (1785) und Hymnen an die Nacht (1800)).

Typische Merkmale: expressive Sprache / Gefühl statt Vernunft / Rebellion gegen gesellschaftliche Regeln und literarische Formen / Motive: Freiheit, Individualität, Leidenschaft, Natur.

(Weimarer) Klassik – ca. 1786 bis 1805/1832

Die Weimarer Klassik orientiert sich an der Antike und strebt nach Harmonie zwischen Gefühl und Vernunft. Der Mensch soll sich zu einer freien, gebildeten und moralisch verantwortungsvollen Persönlichkeit entwickeln. Das von Johann Joachim Winckelmann geprägte Motto lautet: „Edle Einfalt, stille Größe“.
Goethe und Schiller stehen im Zentrum dieser Epoche während Herder sowie Wieland etwas am Rande siedeln - alle zusammen als "Weimarer Viergestirn" bekannt.

Die Erfahrung der schwierigen Durchsetzbarkeit der Ideale der Französischen Revolution (Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit) und deren Pervertierung während der Schreckensherrschaft der Jakobiner (1793/94) hatten einen generellen Einfluss auf den gesamten deutschen Kulturbetrieb. Als "Gegenreaktion" entsteht die Idee, das die Gesellschaft nicht durch politische Revolutionen, sondern durch ästhetische Erziehung (Kunst, Schönheit und Harmonie) zu Humanität und Vernunft geführt werden sollte ("langsame Höherentwicklung" - vgl. auch die Abhandlung Über die ästhetische Erziehung des Menschen (1795) von Schiller).

In der Literatur wurde das Drama (insbesondere das geschlossene Drama nach Aristoteles) zur Hauptgattung (vgl. Faust sowie Wilhelm Tell), gefolgt von streng formgebundener Lyrik (Oden, Balladen). Die Epik spielte eine eher untergeordnete Rolle.
Die Gedichte folgen festen Schemata, klaren Metren (z. B. Blankvers (fünfhebiger Jambus), Distichon). Die Wortwahl ist erhaben, feierlich und oft antik-mythologisch inspiriert; die Sprache wirkt distanziert und durchgeformt. Im Gegensatz zur Aufklärung und zum Sturm und Drang (überschwängliche Gefühle) steht hier die Synthese aus Sinnlichkeit und Verstand („schöne Seele“).

Die Weimarer Klassik (eine rein deutsche Epoche) gilt vielfach als Blütezeit der deutschen Literatur und wird hinsichtlich ihrer literaturgeschichtlichen Bedeutung mit der klassischen griechischen Literatur verglichen. Daher wird diese Epoche häufig auch als „Klassische deutsche Literatur“ bezeichnet. Im weiteren Sinn umfasst sie den Zeitraum von Goethes italienischer Reise 1786 bis zu seinem Tod 1832; im engeren Sinn lediglich Goethes und Schillers gemeinsame Schaffensperiode von 1794 bis 1805 (dem Todesjahr von Schiller).

Typische Merkmale: Orientierung an der Antike / Ausgleich von Vernunft und Gefühl / Gesetzlichkeit des Lebens / Humanität und Toleranz / Entwicklung des Menschen durch Bildung /sittliche Verantwortung des Individuums.

Romantik – ca. 1798 bis 1835

Die Romantik wendet sich gegen eine ausschließlich rationale Betrachtung der Welt. Sie interessiert sich für Gefühl, Fantasie, Traum, Natur, Nacht, Sehnsucht und das Geheimnisvolle. Besonders wichtig sind zudem Mittelalter, Volkslieder und Märchen. Die Welt erscheint häufig als geheimnisvoll und mehrdeutig.

Die Romantik war mehr als eine literarische Strömung; sie war eine umfassende Lebensform. Das Ziel der Romantiker war die von Novalis proklamierte „Poetisierung der Welt“. Kunst und alltägliches Leben sollten miteinander verschmelzen. Die Romantiker versuchten, ihren Alltag, ihre Freundschaften und ihre Wohnumgebungen ästhetisch zu gestalten und nach poetischen Idealen zu leben. Die Epoche zeichnet sich durch eine radikale Hinwendung zur Subjektivität, zu Gefühlen und zur Natur aus – als direkter Gegenentwurf zur beginnenden Industrialisierung, zur Bürokratisierung und zum reinen Zweckrationalismus der Aufklärung.
Das Konzept entstand als Kritik an der Aufklärung, der einseitigen Vernunft und der beginnenden Industrialisierung, die die Natur und den Menschen nur noch nach Zweckdenken und Nutzen beurteilten. Trennlinien zwischen Wissenschaft, Kunst, Religion und Alltag sollen eingerissen werden. Die Welt soll als ein zusammenhängendes, lebendiges Ganzes begriffen werden.

Die Vertreter der Weimarer Klassik wollten sich in die Gesellschaft eingliedern. Sie strebten nach Gesetz, Maß und Regel und sahen das Gemeinwesen als wichtigen Rahmen für persönliche Entwicklung.
Die Romantiker dagegen betonten die Selbstverwirklichung des Individuums - oft gerade gegen gesellschaftliche Normen. Sie lehnten das Philistertum (spießbürgerliche Denkweise) ab und wollten das Irrationale, das nicht verstehbare "irgendwie" in ihr Menschenbild mit einbeziehen.

Das zentrale Symbol war die "Blaue Blume" (geprägt von Novalis) das Sehnsucht, die Liebe und das Unerreichbare repräsentierte. Als Metapher stand die Nacht für Geheimnis, Träume und das Unterbewusste (bzw. Psyche) und das Wandern versinnbildlichte die Suche nach Freiheit und dem eigenen Ich.

Typische Merkmale: Intuition, Emotion, Spontaneität und Phantasie / Rückbesinnung auf Volkslieder, das Mittelalter sowie Märchen und Sagen / Motive: Sehnsucht, Natur, Wandern und Reisen, Nacht, Liebe.

Befreiungskriege

Als Befreiungskriege werden die kriegerischen Auseinandersetzungen in Mitteleuropa von 1813 bis 1815 zusammengefasst, mit denen die Vorherrschaft Frankreichs unter Napoleon Bonaparte über große Teile des europäischen Kontinents beendet wurde. Der Begriff Freiheitskrieg wurde im deutschen Sprachraum von liberalen Kräften benutzt, um das Ziel eines geeinten deutschen Verfassungsstaates anzudeuten. Der Wiener Kongress, der vom 18. September 1814 bis zum 9. Juni 1815 stattfand, ordnete nach der Niederlage Napoleon Bonapartes in den Koalitionskriegen Europa neu.

Biedermeier – ca. 1815 bis 1848

Die Epoche des Biedermeier fällt zeitlich mit der politischen Restaurationszeit zusammen. Viele Menschen ziehen sich angesichts politischer Einschränkungen ins Private und Alltägliche zurück. Familie, Heimat, Natur und häusliches Leben werden wichtige Themen. Gleichzeitig existiert aber auch gesellschaftlich kritische Literatur. Das Biedermeier überschneidet sich deshalb zeitlich und teilweise inhaltlich mit Romantik und Vormärz.

Nach der Neuordnung Europas durch den Wiener Kongreß (1814/15) begann das "Zeitalter der Restauration". Die Monarchen fürchteten den Verlust ihrer Macht durch liberale und nationale Einheitsbewegungen im Deutschen Bund. Als politische Gegner galten ihnen insbesondere die Professoren und Studenten an den Universitäten sowie die Presse. Durch die Karlsbader Beschlüsse (1819) wurde die Freiheit der Lehre an den Universitäten und die Meinungsfreiheit beschränkt sowie eine allgemeine Zensur eingeführt - faktisch ein Polizeistaat. Die Karlsbader Beschlüsse blieben bis zur Revolution von 1848 in Kraft. Betroffen durch Verfolgung und Inhaftierung waren z. B. Ernst Moritz Arndt, Karl Marx, Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Georg Büchner, Fritz Reuter sowie Friedrich Ludwig Jahn.

Viele Dichter schauen melancholisch zurück in die Vergangenheit; daher finden sich in dieser Epoche zahlreiche Kindheitsgeschichten, die Sehnsucht nach dem einfachen Leben, eine Vorliebe für Einsame, Sonderlinge und Käuze.
In der Literatur werden vorwiegend Themen mit einem Bezug zu Heimat, Naturbeobachtung sowie Liebe behandelt. In Österreich erreicht das Wiener Volkstheater (Volkskomödie) durch die Schriftsteller Ferdinand Raimund (1790 - 1836) & Johann Nepomuk Nestroy (1801 - 1862) seinen Höhepunkt.

Gottlieb Biedermaier ist eine fiktive literarische Figur eines treuherzigen, spießbürgerlichen schwäbischen Dorfschullehrers, die der gleichnamigen Kultur- und Stilepoche ihren Namen gab. Die Figur wurde ab 1855 von dem Juristen Ludwig Eichrodt und dem Arzt Adolf Kußmaul erfunden. Der Nachname wurde aus 2 populären Gedichttiteln der damaligen Zeit zusammengesetzt: „Biedermanns Abendgemütlichkeit“ und „Bummelmeiers Klage“ (beide von Scheffel). Ursprünglich wurde die Figur mit „ai“ geschrieben.
Unter diesem Pseudonym veröffentlichten sie in der Münchner satirischen Wochenschrift "Fliegende Blätter" zahlreiche Gedichte.
Als historische Vorlage für die Parodien dienten die echten, oft unfreiwillig komischen und unpolitischen Gedichte des tatsächlichen Landschullehrers Samuel Friedrich Sauter (1766–1846).

Typische Merkmale: Rückzug ins Private / politische Abstinenz / Motive: Familie, Alltag, Heimat, Ordnung, Natur.

Vormärz / Junges Deutschland – ca. 1815/1830 bis 1848

Der Begriff des Vormärz ist eine unscharfe Sammelbezeichnung für die oppositionelle bis revolutionäre politische Literatur der Jahrzehnte vor der deutschen Märzrevolution von 1848.
Der Vormärz ist politisch und gesellschaftlich engagiert. Die Autoren kritisieren Zensur, soziale Ungleichheit, politische Unterdrückung und fehlende Freiheit. Literatur soll nicht nur schön sein, sondern gesellschaftliche Veränderungen anstoßen.

Das "Junge Deutschland" ist der Name für eine literarische Bewegung junger, liberal gesinnter Literaten in der Zeit des Vormärzes, die etwa ab 1830, beflügelt von der Julirevolution in Frankreich, publizistisch aktiv wurden und deren Schriften 1835 auf Beschluss des damaligen Bundestages des Deutschen Bundes verboten wurden. Dazu gehören insbesondere Ludwig Börne, Georg Büchner, Georg Herwegh, Ferdinand Freiligrath sowie Fallersleben.

Auch die Schriften von Heinrich Heine wurden 1835 verboten. Er teilte zwar die Kritik an der Zensur und der gesellschaftlichen Rückständigkeit, hielt aber Distanz zu den meisten Gruppenmitgliedern. Auch er forderte Demokratie und Freiheit, kritisierte aber oft die reine „Tendenzliteratur“ (bzw. „gereimte Zeitungsartikel“; vgl. Die Tendenz) aus ästhetischen Gründen.

Typische Merkmale: politische Lyrik / gesellschaftliches Engagement / einfache, verständliche Sprache / Motive: Freiheit, Demokratie, Kritik an Zensur, soziale Probleme.

(Poetischer) Realismus – ca. 1848 bis 1890

Nach der Revolution von 1848 richtet sich die Literatur stärker auf die gesellschaftliche und alltägliche Wirklichkeit. Die Realität wird allerdings nicht einfach dokumentiert, sondern künstlerisch gestaltet. Humor, Ironie und eine gewisse Distanz sind typisch.

Realismus als Epochenbegriff ist vom Begriff des Stils („realistische Darstellung“) zu unterscheiden. Realismus in diesem Sinne ist in sämtlichen Literaturen aller Epochen enthalten.
Wichtige literarische Formen des Realismus sind die Dorfgeschichten, das Dinggedicht (neutrale Beschreibung von Gegenständen oder Tieren) sowie der historische Roman. Im Mittelpunkt standen gewöhnliche Menschen wie Handwerker, Bauern oder Kaufleute – keine großen Helden.
Die Detailtreue ist eine der obersten Forderungen. In der Schilderung von historischen Themen oder gesellschaftlichen Verhältnissen soll die Wirklichkeit möglichst genau nachgeahmt werden. Gleichzeitig werden Humor und Ironie als Stilmittel eingesetzt, um von der Unzulänglichkeit und Tristesse der Existenz abzulenken.
Der Realismus will das Erfahrbare und Überprüfbare darstellen und ächtete die Phantasie - und steht damit im Gegensatz zur Romantik. Auch sollen die Gefühle und Meinungen des Autors außerhalb der Darstellung bleiben. Die Wortwahl ist präzise, einfach und fernab von übertriebenem Pathos oder romantischer Schwärmerei.

In der Epik waren der Gesellschaftsroman und die Novelle besonders beliebt: (vgl. "Effi Briest" (1895; Fontane) sowie "Der Schimmelreiter" (1888; Storm).
Siehe auch den Essay "Was verstehen wir unter Realismus?" (1853) von Theodor Fontane.

Typische Merkmale: detailgetreu, klar, schlicht / feiner Humor oder Ironie / Motive: bürgerliches Leben, Gesellschaft, Natur.

Naturalismus – ca. 1880 bis 1900

Genau wie der Realismus, will der Naturalismus die Wirklichkeit möglichst genau und ungeschönt darstellen. Allerdings hatte ersterer die Tendenz sich auf die "heile Welt" des Bürgertums zu konzentrieren und das negative ästhetisch zu überhöhen. Im Naturalismus interessieren sich die Autoren für soziale Probleme, Armut, Alkoholismus, Industrialisierung und das Leben der unteren Bevölkerungsschichten (Proletariat). Es entwickelt sich eine schonungslose Konfrontation mit dem Elend, eine Suche nach der Ästhetik des Hässlichen. Zudem wird der Mensch als durch Umwelt, Vererbung und gesellschaftliche Bedingungen determiniert angesehen (kein freier Wille).

Der Sprachstil verwendet Alltagssprache, Dialekte und Jargons, um die Figuren realistisch darzustellen. Eine spezielle Erzähltechnik, der Sekundenstil, bei der die Erzählzeit und die erzählte Zeit übereinstimmen wird ebenfalls zum Stilmittel.

Typische Merkmale: Wirklichkeit ohne Beschönigung / Determinismus / Sekundenstil / Motive: Großstadt, Armut, Industrialisierung.

Moderne – ca. 1890 bis 1920

Die Moderne ist keine einheitliche Epoche, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene neue literarische Strömungen. Die traditionelle Vorstellung von einer einheitlichen Wirklichkeit wird zunehmend infrage gestellt. Großstadt, technische Entwicklung, Individualisierung und innere Wahrnehmung gewinnen an Bedeutung.

Neue Maschinen (auch im Alltag) und rasant wachsende Städte machen das Leben lauter und schneller. Neue Theorien von Sigmund Freud (Psychoanalyse) und Albert Einstein (Relativitätstheorie) erschüttern das traditionelle Weltbild. Viele Autoren zweifeln daran, ob die bisherige Sprache die komplexe Welt noch richtig beschreiben kann.
Im Mittelpunkt der Lyrik steht die Subjektivität: das innere Erleben, die Psyche und die individuelle Wahrnehmung des Menschen.

Typische Merkmale: subjektive Wahrnehmung / Individualismus / Krisenerfahrung / Motive: Verfall, Tod, Dekadenz, Entfremdung.

Symbolismus – ca. 1890 bis 1920

Der Symbolismus betrachtet die Wirklichkeit nicht als etwas, das möglichst genau beschrieben werden sollte. Stattdessen versucht der Dichter, durch Symbole, Bilder, Klang und Andeutungen eine tiefere Wirklichkeit auszudrücken - auch als geheimnisvolle Traum- und Fantasiewelten. Die Gedichte leben stark von Rhythmus, Lautmalerei (Onomatopoesie) und Klang. Als Gegenströmung zum "materialistischen" Naturalismus, will sich der Symbolismus von der Wirklichkeit (in der zunehmend Entfremdung und Isolation erlebt werden) distanzieren.

Der Symbolismus möchte weder die gesellschaftliche Wirklichkeit, wie z. B. der Realismus, noch persönliche Empfindungen oder subjektive Reaktionen auf äußere Ereignisse darstellen, wie dies Romantik und Impressionismus taten. Er schafft eine ästhetische oder mystische Kunstwelt, die für ihn ebenso der „Realität“ entspricht. Die Lyrik wird als Wortkunst (L’art pour l’art = Kunst um der Kunst willen) betrachtet: ein eigenständiger Kosmos ohne direkte politische oder erzieherische Zwecke.

Typische Merkmale: Symbole (vom lateinischen symbolum: das „(Kenn-)Zeichen“, „Emblem“ oder „Sinnbild“) / Klang und Rhythmus / Vermeidung direkter Aussagen / Traum und Geheimnis

Impressionismus – ca. 1890 bis 1910

Der Impressionismus (von lateinisch impressio ‚Eindruck‘) ist eine Kunstrichtung, die ihren Ursprung in der Malerei hat. Sie entstand in Frankreich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Maler wollten den den flüchtigen optischen Eindruck eines Augenblicks festhalten. Dabei ist das Zusammenspiel von Licht und Schatten wichtiger als die reale Struktur der Dinge, welche sich in Farb- und Lichtreflexen regelrecht auflöst.

Der Begriff wurde dann auch in der Literatur als Epochenbezeichnung verwendet - ist allerdings umstritten. In dem Bewusstsein, daß Dinge, wie sie ‚wirklich‘ sind, künstlerisch nicht reproduziert werden können, greift der Impressionist subjektive Eindrücke von Weltausschnitten auf und gestaltet sie mit seinen Worten. Als sie feststellen, dass Sprache und Wörter ihren Grenzen haben, greifen sie auf Umschreibung mit Hilfe von Symbolen zurück.
Die Lyriker versuchen weniger, die Welt objektiv zu beschreiben, sondern geben wieder, wie ein Augenblick (Momentaufnahmen) auf sie wirkt. Besonders wichtig sind Licht, Farben, Geräusche, Stimmungen und feine Veränderungen der Atmosphäre.

Der literarische Impressionismus steht zeitlich zwischen Naturalismus und Expressionismus und überschneidet sich mit dem Symbolismus und dem literarischen Jugendstil.

Typische Merkmale: subjektive Wahrnehmung / Stimmung und Atmosphäre / Licht und Farben / weniger Handlung, stärkerer Eindruck / Musikalität der Sprache.

Expressionismus – ca. 1910 bis 1925

Der Expressionismus (lateinisch: „ex“ und „premere“ = expressio, was „ausdrücken“ bedeuten) entwickelte sich im ausgehenden 19. Jahrhundert als Stilrichtung der bildenden Kunst: nicht die wirklichkeitsgetreue Wiedergabe von Eindrücken und schöne Formen war wichtig. Die Maler der z.B. der „Brücke“ und des „Blauen Reiter“, drückten ihre subjektiven Regungen aus. Sie gaben direkt und spontan ein „durchfühlt“ interpretiertes Motiv wieder. Der Künstler möchte sein Erlebnis für den Betrachter darstellen. Dabei wird auch ein Destruktionswille erkennbar, der sich gegen ein dekadentes Bürgertum wie auch gegen die Genussästhetik des Impressionismus und Jugendstils wendet.

Der literarische Expressionismus will analog Gefühle und Subjektivität über die realistische Abbildung der Außenwelt stellen. Er reagiert auf die modernisierte Welt: Hektik, Lärm, Massenmensch, Industrialisierung, Großstadt, Krieg und gesellschaftliche Krisen. Die Dichter wollen nicht einfach die äußere Wirklichkeit darstellen, sondern ihre innere Wahrnehmung und emotionale Erschütterung ausdrücken.
Historisch ist der lyrische Expressionismus vom Deutschen Kaiserreich, dem Ersten Weltkrieg und der frühen Weimarer Republik geprägt. Er geht einher mit einer Dekonstruktion der Sprache: die Grenzen der Grammatik werden ignoriert, und die Sätze sollen von "Zutaten" (Interpunktion, Konjunktionen, Adverbien) befreit werden. Als Konsequenz wird das Substantiv zur wichtigsten Wortart. Zudem kommt es zum Bruch mit traditionellen Reimen, Metren und Strophenformen. Es dominiert der Einsatz des Reihungsstils (unverbundene Sinneseindrücke), von Neologismen (Wortneuschöpfungen), Ellipsen (verkürzter Satz) und starker Bildsprache.

Typische Merkmale: Großstadt & Anonymität / Gefühl des Verlorenseins / Bild und Metaphern / freie bzw. ungewöhnliche Sprache / Motive: Großstadt, Krieg, Verfall, Tod, Einsamkeit, Entfremdung, Weltuntergang.

Neue Sachlichkeit ca. 1919 bis 1933

In der europäischen Malerei entwickelte sich nach dem Ersten Weltkrieg der Slogan "Retour à l’ordre" (dt. „Rückkehr zur Ordnung“) aus der sich eine Kunstbewegung formierte, die sich als Gegenreaktion auf avantgardistische Tendenzen der 1900er und 1910er Jahre verstand.
Sie vertrat die Auffassung, das sich Stilrichtungen wie Expressionismus, Kubismus oder Dadaismus zu einem subjektivistischen „Manierismus des Gegenstandslosen“ entwickelt hatten und damit uninteressant und gesellschaftsfern geworden waren. So entstand in der Kunst eine "erneute Rückbesinnung"; auf die "Neue Sachlichkeit": Charakteristisch für diesen Stil sind die emotionslose Darstellung alltäglicher Motive und die Vorliebe für Einfachheit.

Die Literatur der "Neuen Sachlichkeit" orientiert sich an Nüchternheit, Alltag und gesellschaftlicher Realität. Die Autoren verzichten häufig auf die stark emotionale und bildhafte Sprache des Expressionismus. Die Wirklichkeit sollte möglichst nüchtern, realistisch, sachlich und ohne große Gefühle dargestellt werden. Die Schriftsteller wollten die Menschen sachlich informieren und zum Nachdenken anregen (Gebrauchslyrik).
In der Lyrik wurde eine einfache, klare, verständliche Sprache - oft nah an der Alltagssprache - verwendet. Häufig wurde ein distanzierter Reporterstil genutzt.

Typische Merkmale: Sachlich & Nüchtern / einfache Sprache / Motive: Alltag, Großstadt, soziale Probleme, politische Kritik.

Die Exilliteratur (1933 bis 1945) umfasst deutschsprachige Werke von Schriftstellern, die zwischen 1933 und 1945 vor dem nationalsozialistischen Regime ins Ausland fliehen mussten. Es gibt keine feste ästhetische Form oder eine gemeinsame Sprache; der Stil reicht von realistisch-nüchtern bis expressionistisch oder satirisch.

Trümmerliteratur – ca. 1945 bis 1950

Nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigen sich Schriftsteller mit den Folgen von Krieg und Nationalsozialismus. Die Literatur versucht, eine neue, möglichst klare Sprache zu finden. Zerstörung, Schuld, Heimkehr und Orientierungslosigkeit sind zentrale Themen.

Die deutschsprachige Nachkriegsliteratur dürfte auf die Zeit von Mitte 1945 bis zur Auflösung der "Gruppe 47" im Jahre 1967 datiert werden.

 


Anmerkung

Hinweis zu einigen Grenzfällen:

  • Bei Autoren wie Hölderlin, Heine, Hebel, Rückert, Uhland, Kafka, Benn und Brecht gibt es je nach Schaffensphase unterschiedliche Zuordnungen.
  • Schriftsteller wie Gellert, Lessing, Gleim, Götz, Hagedorn, Ramler usw. gehören überwiegend in die Aufklärung bzw. deren Strömungen Empfindsamkeit und Rokoko.
  • Droste-Hülshoff, Mörike, Lenau und Grillparzer werden häufig dem Biedermeier zugerechnet; die Epocheneinteilung überschneidet sich hier mit Romantik bzw. Vormärz.
  • Hugo Ball, Paul Boldt, Georg Heym, Ernst Stadler, August Stramm und Else Lasker-Schüler gehören zum Umfeld des Expressionismus; Ball ist zusätzlich besonders eng mit dem Dadaismus verbunden.

 

Siehe auch: Gedichte von unbekannten Verfassern sowie einige Fabeln von Aesop.

 


Hier noch eine Liste von Poeten unterschiedlicher Epochen, mit im wesentlichen nur einem Gedicht:

 


 

Siehe auch: