Eine Liste / Sammlung guter Gedichte zum Nachdenken - moderne und auch Klassiker; sowohl lang als auch kurz.

 

Mit leichtem Gepäck

Gewöhn dich nicht.
Du darfst dich nicht gewöhnen.
Eine Rose ist eine Rose.
Aber ein Heim
ist kein Heim.
Sag dem Schoßhund Gegenstand ab
der dich anwedelt
aus den Schaufenstern.
Er irrt. Du
riechst nicht nach Bleiben.
Ein Löffel ist besser als zwei.
Häng ihn dir um den Hals,
du darfst einen haben,
denn mit der Hand
schöpft sich das Heiße zu schwer.
Es liefe der Zucker dir durch die Finger,
wie der Trost,
wie der Wunsch,
an dem Tag
da er dein wird.
Du darfst einen Löffel haben,
eine Rose,
vielleicht ein Herz
und, vielleicht,
ein Grab.

Hilde Domin, geborene Löwenstein (1909 - 2006 ), war eine deutsche Schriftstellerin jüdischer Herkunft.

Der Engel in dir

Der Engel in dir
freut sich über dein
Licht
weint über deine Finsternis.
Aus seinen Flügeln rauschen
Liebesworte
Gedichte Liebkosungen.
Er bewacht
deinen Weg
Lenk deinen Schritt
engelwärts.

Rose Ausländer, geborene Scherzer (1901 - 1988), war eine aus der Bukowina stammende deutsch- und englischsprachige Lyrikerin jüdischer Herkunft.

Himmlische Gabe

Der Himmel hat den Menschen als Gegengewicht
zu den vielen Mühseligkeiten des Lebens des Lebens drei Dinge gegeben:
die Hoffnung,
den Schlaf
und das Lachen.

Immanuel Kant (* 1724-04-22, † 1804-02-12) Geboren in Königsberg, gestorben in Königsberg.
Einer der bedeutendsten Philosophen seiner Zeit.
Sein Werk Kritik der reinen Vernunft kennzeichnet einen Wendepunkt in der Philosophiegeschichte und den Beginn der modernen Philosophie.

Alter Blick

Ich habe mich gewöhnt an dieses Fenster
und daß der Schnee durch meine Augen fällt,
aber wer ist den Verlorenen nachgegangen
durch das offene Gartentor,
wer besiegelte, was da war,
die Regentonne,
und den Mond als Mond,
alle gefrorenen Gräser?
Wer schaukelte vor dem Morgen,
daß die Stricke krachten,
wer legt die Wachshand auf das Küchenfenster,
ließ sich im Weißen nieder
und nahm mich selber auf?

Ilse Aichinger (1921 – 2016) war eine österreichisch-jüdische Schriftstellerin.

Wie soll ich mich nennen?

Einmal war ich ein Baum und gebunden,
dann entschlüpft ich als Vogel und war frei,
in einem Graben gefesselt gefunden,
entließ mich berstend ein schmutziges Ei.

Wie halt ich mich? Ich habe vergessen,
woher ich komme und wohin ich geh,
ich bin von vielen Leibern besessen,
ein harter Dorn und ein flüchtendes Reh.

Freund bin ich heute den Ahornzweigen,
morgen vergehe ich mich an ihrem Stamm ...
Wann begann die Schuld ihren Reigen,
mit dem ich von Samen zu Samen schwamm?

Aber in mir singt noch ein Beginnen
- oder ein Enden – und wehrt meiner Flucht,
ich will dem Pfeil dieser Schuld entrinnen,
der mich in Sandkorn und Wildente sucht.

Vielleicht kann ich mich einmal erkennen,
eine Taube einen rollenden Stein ...
Ein Wort nur fehlt! Wie soll ich mich nennen,
ohne in anderer Sprache zu sein.

Ingeborg Bachmann (1926 - 1973) war eine österreichische Schriftstellerin. Sie ist eine der bedeutendsten deutschsprachigen Autorinnen des 20. Jahrhunderts.


 

Eines Tags geschah es Kant,
dass er keine Worte fand.
Stundenlang hielt er den Mund,
und er schwieg - nicht ohne Grund.
Ihm fiel absolut nichts ein,
drum ließ er das Sprechen sein.
Erst als man zum Essen rief,
wurd' er wieder kreativ,
und er sprach die schönen Worte:
„Gibt es hinterher noch Torte?"

Robert Gernhardt (1937 - 2006) war ein deutscher Schriftsteller, Dichter, Zeichner und Maler, der vor allem durch seine Satiren und seine komischen Gedichte und Zeichnungen in der Tradition Wilhelm Buschs bekannt wurde.

 

Gedichte, auch Poesie oder Lyrik genannt, sind ein Genre innerhalb der Belletristik, das folgende Merkmale aufweist:
Die Texte sind oft relativ kurz, manchmal sogar sehr kurz, und diese Wortökonomie führt dazu, dass jedes Wort eine große Bedeutung haben muss. Die Texte bestehen aus Zeilen, nicht aus Sätzen.

Die meisten Gedichtformen haben eine klare Musikalität. Wahrscheinlich waren Gedichte ursprünglich dazu gedacht, gesungen oder vorgetragen zu werden, vielleicht sogar getanzt. Die Musikalität der Gedichte kommt zum einen dadurch zum Ausdruck, dass die Zeilen einen festen Rhythmus in verschiedenen Rhythmusmustern haben. Zweitens entsteht ein musikalischer Effekt dadurch, dass in Gedichten oft verschiedene Arten von Reimen vorkommen. Die häufigsten sind vielleicht Endreime, bei denen die letzten Wörter der Zeilen in unterschiedlicher Reihenfolge aufeinander reimen, und Anfangsreime (Alliterationen), bei denen der erste Laut in mindestens zwei Wörtern einer oder vorzugsweise zwei Zeilen reimt. In manchen Fällen können verschiedene Reimarten zu einem Gesamtklangbild zusammengefügt werden, das den Inhalt illustriert.

Einige der Wörter in Gedichten sind oft symbolische Bilder, von zwei Arten, Gleichnissen und Metaphern. Ein Gleichnis hat ein Vergleichswort, oft „wie” oder „ähnlich”, während eine Metapher kein solches Wort hat.

 


 

Glaube und Tat

Was auf das Leben folgt, deckt tiefe Finsternis;
Was uns zu tun geführt, des nur sind wir gewiß.
Dem kann kein Mißgeschick, kein Tod die Hoffnung rauben,
Der glaubt um recht zu tun, recht tut, um froh zu glauben.

Immanuel Kant (* 1724-04-22, † 1804-02-12) Geboren in Königsberg, gestorben in Königsberg.
Einer der bedeutendsten Philosophen seiner Zeit.
Sein Werk Kritik der reinen Vernunft kennzeichnet einen Wendepunkt in der Philosophiegeschichte und den Beginn der modernen Philosophie.

 

 

Wer nicht kann was er will,
muss das wollen, was er kann.
Denn das zu wollen,
was er nicht kann,
wäre töricht!

Leonardo da Vinci (* 1452-04-15, † 1519-05-02)
Geboren in Anchiano bei Vinci, gestorben auf Schloss Clos Lucà, Amboise.
Maler, Bildhauer, Architekt, Musiker, Anatom, Mechaniker, Ingenieur, Naturphilosoph und Erfinder in der Renaissance.
Wird als das italienische Universalgenie bezeichnet.

 

 

Siehe auch: