Nun sich die Knospen aus den Zweigen drängen,

blühende Kräfte morsche Bande sprengen,

wohin du siehst, wacht alles fröhlich auf -:

Nun sei in deiner Seele rein und heiter,

Erzengel rechts und links dir als Begleiter,

nimm in den Morgen fröhlich deinen Lauf!

 

Die Schwingen streifen dich an beiden Seiten,

um dich der Engel Atem im Geleiten,

wie muß dein Schritt jetzt frei und kräftig sein!

Schreit′ aus und glaube: Dir erklang das Werde!

Schick′ deine Blicke aus: Die ganze Erde

blüht dir ans Herz: Was schön ist, das ist dein!

 

Denn der ist König über alle Dinge,

und den berührt der Engel goldene Schwinge,

der seine Blicke so aussenden kann,

daß sie wie Adler Beute heimwärts tragen,

und dem die Morgenstunde leuchtend sagen:

Du Mensch mit hellen Augen, nimm uns an!


Das Gedicht "Frühlingszuruf" stammt von   (1865 - 1910).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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