Wo erfrag ich den Freund, wo find ich, was ich verlohren,

Sage es Morgenroth mir, wo mein Geliebter verweilt!

Weihet der Priester den Schleier, der den, dich mir o Lieber vereinigt,

Hält ein fremdes Gesez stets dich entfernet von mir?

Aber der Morgen verstumt, verschlungen vom glühenden Tage;

Abendroth, sage es mir, freundlicher milderer Schein!

Aber es färbt sich die Wange des Abendroths blässer und blässer,

Und es streuet auf mich wehmutsvoll perlenden Thau hin.

Frag ich die Sterne, sie schweigen, verglimmen leise im Osten,

Aber der Morgen kehrt wieder, und wieder erröthet der Abend,

Und der ewige Kreis führet die Sterne zurük.

Kehret der Morgen einst wieder, dann möge der Mittag

Gierig schlingen den Morgen, und über mir grüssen die Sterne

Mich verschlinge die Nacht, bis jenseits des Dunkels

Wieder der Liebe Ton goldner Morgen entsprießt.


Das Gedicht "Wo erfrag ich den Freund" stammt von   (1780 - 1806).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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