Es ist ein Fest im ganzen Thal,

Was blühen kann, blüht allzumal.

Die ganze Stadt liegt weich und warm

Gebettet in des Frühlings Arm.

Heut', wo so lau die Lüfte wehen,

Lass' auch das Eis in Dir zergehen,

Vergiß! Vergiß!

 

Vergiß, wie oft in Einer Nacht

Der Frost ein Ende hat gemacht,

Als kreischten Teufelsstimmen drein:

Vergiftet muß der Segen sein!

Als müßt' auf ihrer Kinder Blüthen

Erbost die eig'ne Mutter wüthen.

Vergiß! Vergiß!

 

Und wenn du nach den Dächern schaust,

Vergiß, was dort im Dunkeln haust,

Am Boden kriecht, im Winkel spinnt,

Den Biedern spielt, auf Tücke sinnt,

Vergiß der Frechheit schnöde Blöße,

Vergiß des Unrechts Messerstöße,

Vergiß! Vergiß!

 

In's Grüne schau', in's Weiße schau',

Blick' auf zu diesem zarten Grau,

Wodurch ein goldnes Abendlicht

Sich seine sanften Pfade bricht!

Au guter Menschen Kraft und Milde

Gedenke bei dem reinen Bilde!

Vergiß! Vergiß!

 

In glücklich blinder Jugendzeit,

Da war's zur Freude nicht so weit.

Jetzt lächle nur, daß selbst zur Lust

Sich mahnen muß die schwere Brust.

Heut', wo so lau die Lüfte wehen,

Lass' auch das Eis in dir zergehen,

Vergiß! Vergiß!


Das Gedicht "Frühling" stammt von   (1807 - 1887).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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