Wie dauert mich ein Mägdelein,

Das einsam sitzen bleibt,

An das ein Werbebriefelein

Kein Herzfreund schreibt!

Du Arme!

 

Hätt' auch so gern ein Kindelein

An ihrer Brust ernährt!

»Wann stellt der brave Mann sich ein,

Der mir's bescheert?«

Du Arme!

 

Sie sitzt in ihrem Kämmerlein

Und wartet Jahr um Jahr,

Schon finden sich die Falten ein

Und graues Haar.

Du Arme!

 

Die Schwester hat schon Kinderlein,

Als Tante hilft sie aus,

Wie besser wär' es, Mutter sein

Im eignen Haus!

Du Arme!

 

Thut Manche groß und ist zu klein

Zum schweren Uebergang,

Sie schmeckt danach wie saurer Wein

Ihr Leben lang,

Die Arme.

 

Ein wackres Herze muß es sein,

Das dieses Weh verschmerzt,

Und gern im Abendsonnenschein

Auch wieder scherzt.

Du Gute!

 

Komm', heiteres altes Jüngferlein,

Und gönne mir zum Schluß

Für diese sanften Verselein

Noch einen Kuß

Und lache!


Das Gedicht "Alte Jungfer" stammt von   (1807 - 1887).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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