Alle Freud′ und Trauer, o du holdselig

Wesen, so voll züchtigen Lichts und süßer

Keuscher Klarheit, wohnet in dir, im sanften

Sterne der Liebe.

 

Schön warst du, wenn einsam der Dichter oftmals

Seines Baches Erlen entlang im Thale,

Ach mit düstrem Sinnen und namenloser

Sehnsucht gewandelt.

 

Schön warst du, als endlich dies Herz gestillt war,

Als ein Auge, schwarz wie des Himmels lautre

Tiefe Nacht, aufblickte mit mir zum lieben

Sterne der Liebe!

 

Schön warst du, als träumend mit großen Menschen

Großen Freunden, schwärmend in Vorgefühlen

Künft′gen Ruhms, das Auge voll Gluth in deinem

Strahle sich kühlte.

 

Schön warst du, als endlich mein Schicksal nahte.

Als ich mehr verlor, denn ein Mensch gewinnen

Kann, kehrt′ oft wehmüthig zurück im stillen

Sterne die Liebe.

 

Doch am schönsten dünkst du mir wohl vor Allem

Wenn ich oft im Schmerz und der Trauer meiner

Einsamkeit, in Schutt und in Säulentempeln

Heimathlich wandle,

 

Und zumal dein freundliches Licht des schwarzen

Colosseums Schauern, wie eine Seele

Ihrem Grab am Tag des Gerichts, entstrahlt, o

Stern du der Liebe.


Das Gedicht "Der Abendstern" stammt von   (1804 - 1830).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

 

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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