Mündlich.

 

Schlaf nur ein geliebtes Leben,

Schlaf, ich will ja gern zufrieden seyn,

Deine lieben Augen geben

Dennoch deinem Diener hellen Schein.

Hast du dich verschlossen,

Will ich unverdrossen

Liebend doch vor deiner Thüre stehn;

Daß sie Liebe quäle,

Jauchzet meine Seele,

Darf ich liebend doch an deiner Thüre stehn.

 

Schlaf nur ein, dein Sternenschimmer

Läßt mich nie zu meinem Bette gehn,

Meine müden Augen sehn dich immer,

Bis sie vor den deinen untergehn,

Wie die Blätter fallen,

Also werd ich fallen,

Unter deinem Fuße rauschen hin,

Mild bist du den Armen,

Trage mir Erbarmen,

Unter deinem Fuße rausch ich hin.

 

Schlaf nur ein, und heiß mich wachend gehen,

Herz und Seele bleibet doch bei dir,

Will mir mit dem Tag die Sonne untergehen,

Ist ein Liebeshimmel doch in mir,

Denn da seh ich immer

Deiner Sterne Schimmer,

Wie sie flüchtig auf mein Herze gehn,

Säh ich dich doch morgen,

Ließ ich alle Sorgen

Also flüchtig durch mein Herze gehn.


Das Gedicht "Abendstern" stammt von   (1778 - 1842).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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