Miezel, eine schlaue Katze,

Molly, ein begabter Hund,

Wohnhaft an demselben Platze,

Haßten sich aus Herzensgrund.

 

Schon der Ausdruck ihrer Mienen,

Bei gesträubter Haarfrisur,

Zeigt es deutlich: Zwischen ihnen

Ist von Liebe keine Spur.

 

Doch wenn Miezel in dem Baume,

Wo sie meistens hin entwich,

Friedlich dasitzt, wie im Traume,

Dann ist Molly außer sich.

 

Beide lebten in der Scheune,

Die gefüllt mit frischem Heu.

Alle beide hatten Kleine,

Molly zwei und Miezel drei.

 

Einst zur Jagd ging Miezel wieder

Auf das Feld. Da geht es bumm.

Der Herr Förster schoß sie nieder.

Ihre Lebenszeit ist um.

 

Oh, wie jämmerlich miauen

Die drei Kinderchen daheim.

Molly eilt, sie zu beschauen,

Und ihr Herz geht aus dem Leim.

 

Und sie trägt sie kurz entschlossen

Zu der eignen Lagerstatt,

Wo sie nunmehr fünf Genossen

An der Brust zu Gaste hat.

 

Mensch mit traurigem Gesichte,

Sprich nicht nur von Leid und Streit.

Selbst in Brehms Naturgeschichte

Findet sich Barmherzigkeit.


Das Gedicht "Hund und Katze" stammt von   (1832 - 1908).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Empfehlungen

Weitere gute Gedichte des Autors:



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte