Als meine Katze, die mir schwesterlich gesinnt,

Jählings aus ihrem indischen Traum erwachte,

Da sah sie sich so wirr unfaßbar um,

Daß ich ihr derb ins furchige Antlitz lachte.

 

Sie kam von einer haßerfüllten Jagd.

Ihr stand das Maul noch breit von fetten Lüsternheiten.

Es troff noch ganz von Schilf und Dschungelduft ihr Fell.

Schweif und Gebiß aus höllischen Gebreiten.

 

Nun saß sie aufrecht da mit einem Rucke

Kraft ihrer eingestemmten erzgeschärften Klauen

Wie ein gefoppter Nachtmahr der auf Tücke sinnt,

In böser Rachlust funkelnd anzuschauen.

 

Als jedoch plötzlich sich in mystischem Entschlusse

Das Ofenrohr zum Raupenbuckel spannte

Und auf dem Teppich blau und gelber Blitze Zucken

Ein Feuerspiel im Ornament abbrannte,

 

Als auch der Perpendikel aus dem Eingeweid der Uhr

Heraushing blutig wüst, ein ärztlich Instrument aus Messingblechen

Und sich die Bilder an der Wand verschoben

Wie großer Geisterhände sacht vorhandene Flächen,

 

Da schwang der grünen Bestie maßlose Erregung

Sich pfeifend auf des Spiegelschrankes Bogen,

Den Rücken hochgekrümmt wie Augenbrauen,

Die sich japanische Prinzessen vormals zogen.


Das Gedicht "Die Katze" stammt von   (1886 - 1927).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte