Im Zimmer drinnen ist′s so schwül;

Der Kranke liegt auf dem heißen Pfühl.

 

Im Fieber hat er die Nacht verbracht;

Sein Herz ist müde, sein Auge verwacht.

 

Er lauscht auf der Stunden rinnenden Sand;

Er hält die Uhr in der weißen Hand.

 

Er zählt die Schläge, die sie pickt,

Er forschet, wie der Weiser rückt;

 

Es fragt ihn, ob er noch leb′ vielleicht,

Wenn der Weiser die schwarze Drei erreicht.

 

Die Wartfrau sitzt geduldig dabei,

Harrend, bis alles vorüber sei. -

 

Schon auf dem Herzen drückt ihn der Tod;

Und draußen dämmert das Morgenrot.

 

An die Fenster klettert der Frühlingstag.

Mädchen und Vögel werden wach.

 

Die Erde lacht in Liebesschein,

Pfingstglocken läuten das Brautfest ein;

 

Singende Bursche ziehn übers Feld

Hinein in die blühende, klingende Welt. -

 

Und immer stiller wird es drin;

Die Alte tritt zum Kranken hin.

 

Der hat die Hände gefaltet dicht;

Sie zieht ihm das Laken übers Gesicht.

 

Dann geht sie fort. Stumm wird′s und leer;

Und drinnen wacht kein Auge mehr.


Das Gedicht "Eine Frühlingsnacht" stammt von   (1817 - 1888).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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