Im Namen eines guhten Freundes

 

Man sagt mir zwahr: Ich soll dich hassen /

und nicht mehr lieben / wie ich pflag /

so kan ich doch nicht vohn dir lassen /

ich fliehe dich auch / wie ich mag.

Wie offt hab ich mir fürgenommen /

du sollest mir in meinen Sinn /

O Galatee / nicht mehr kommen /

Nein / Nein / ich lieb dich wie vorhin.

Wir sind je nicht zu gleich gebohren /

eß gleichen unsre Sternen nicht /

mir hette Venus sich verloren /

dir aber schien ihr helles Licht.

Werd ich durch List dan hintergangen /

und hat man mir was beygebracht /

daß ich so stets an dir muß hangen

und ruhe weder Tag noch Nacht?

Seh ich dich an / so fühl ich Schmerzen;

genieß ich deiner Gegenwart /

so ist mir auch nicht wohl zuhm Herzen /

Ich stehe bey dir / wie erstart.

Die Rede will mir ganz nicht fliessen /

Ich zittre wie ein Espen Laub /

der Augen Quell muß sich ergiessen /

Ich bin wie Sinnloß / stumb und taub.

Auch glaub ich / daß auß diser Ketten

und auß dem harten Liebes Streit

mich Perseus selbst nicht könt erretten /

der doch Andromeden befreyt.

Darumb woll Cloto meinem Leben /

weil sonst mir nicht zu helffen steht /

die längst=gewündschet′ Endschafft geben /

dardurch ein Mensch der Lieb entgeht.


Das Gedicht "Lieber sterben als lieben" stammt von   (1621 - 1638).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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