Im Thon: In deinem grossen Zoren / etc.

 

Ach daß mein Haupt von Thränen /

Mein Geist von Ach und Sehnen /

Doch überladen wer!

Ach daß ich doch die Sünde /

So ich in mir befinde /

Beweinen künte mehr!

Zu wem sol ich mich wenden /

Weil ja an allen Enden

Die Missethat erscheint?

Zu GOTT komm ich geschritten /

Ach laß dich doch erbitten /

Du thewrer Menschen Freund!

Den Todt hab ich verdienet /

Dein Sohn hat mich versöhnet /

Gestillet deinen Zorn /

Der ist für mich gestorben /

Hat mir das Heyl erworben /

Sonst wer ich gantz verlohrn.

Auff Ihn setz ich mein Hoffen /

Drumb lest er mir auch offen

Die tieffe Gnadenquell /

In seinen rohten Wunden

Hab ich mir Ruh gefunden /

Trotz Teuffel / Welt und Hell.

Du trewer Samariter /

Du Gnad= und Trost=Anbieter /

Dich bitt ich inniglich:

Du wollest mir doch geben

Ein gantz gebesserts Leben /

So will ich preisen dich.

Dein Lob sol bey mir klingen /

Ich wil dir Opfer bringen;

Bey dir wird nur verlacht

Der hohen Wörter Prangen /

Du trägst allein Verlangen

Nach fewriger Andacht.

Drumb laß dir doch belieben

Was ich allhier geschrieben /

Behüte mich hinfort /

Laß mich in Sünd nicht stecken /

Sonst würde mich erschrecken

Der Hellen weite Pfort!

Und wenn nun meine Seele

Auß diser finstern Höle

Des Leibes weichen sol /

So wolst du bey mir stehen /

Und nimmer von mir gehen /

So ist mir ewig wol.


Das Gedicht "Ein Buß=Lied" stammt von   (1621 - 1638).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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