Der Mai ist voller Nücken

Und hat es so an sich,

Daß man einander drücken

Muß ganz absonderlich;

Einander liebzuhaben,

Ists die gewisse Zeit

Für Mädchen und für Knaben, -

Einander liebzuhaben

In großer Zärtlichkeit.

 

Die Haut ist nie so samten

Den Mädchen, wie im Mai;

Und wenn sie mich verdammten,

Die von der Klerisei,

Ich muß es frei bekennen:

Ich streichle gerne sie

Und fühl ein hold Entbrennen, -

Ich muß es frei bekennen:

Mir wird, ich weiß nicht wie.

 

Und ach, der Augen Funkeln!

Hilf, heiliger Florian!

Sie leuchten selbst im Dunkeln

Und zünden alles an.

Die kältesten Herzen brennen

Wie Zunder lichterloh:

Großfeuer ists zu nennen, -

Die kältesten Herzen brennen

Und sind des Brennens froh.

 

Her mit dem feuchten Strohe

Der Sorgen und des Wehs!

Aufpraßles in der Lohe

Des Mai-Autodafés!

Die Liebe soll verzehren,

Was uns der Schmerz beschert,

Auf Nimmerwiederkehren! -

Die Liebe soll verzehren,

Was nicht der Liebe wert.


Das Gedicht "Mai-Feier" stammt von   (1865 - 1910).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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