So rein wie Schnee, von weiten Höh‘n gefallen,
Im Kelche mit des Frühlings Hoffnungsgrün,
Erscheint das Blümlein, das ersteht vor Allen,
Im Strahl der Wintersonne zu erblüh‘n.

Es hebt sich gläubig aus der warmen Erde,
Und streckt das Köpfchen schüchtern aus dem Schnee,
Zu fragen, ob‘s auch wirklich Frühling werde,
Weil ihm ein inn’res Drängen sagt: Ersteh‘!

Bald schimmert grün das Gras, die Vöglein singen,
Bald nickt der Sonnenstrahl ihm freundlich zu,
Da ruft‘s die Schwesterlein mit leisem Klingen:
Der Frühling kommt! Erwacht aus eurer Ruh‘!

Ihr Glöcklein, Frühlingsklänge meiner Seele.
Erblüht in stiller Waldeseinsamkeit,
Darf wagen ich‘s, euch in die Tageshelle,
Hinaus zu streu‘n aus eurer Dunkelheit?

O mögen milde Augen euch erblicken,
Die euer schlichter Kindersinn erfreut,
Und linde Hände nachsichtsvoll euch pflücken,
— Weil ihr des Lenzes erste Blumen seid!


Das Gedicht "Schneeglöckchen" stammt von   (1844 - 1904).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Empfehlungen

Passend zur Thematik, ein paar ausgesuchte Gedichte anderer Autoren:



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte