Sie ist erwacht,

des Winters einzige Blume.

In Tod und Nacht

träumte die stumme

Botin des Frühlings

von Licht und Leben.

 

Wie sie sich heben

alle die sprießenden Spitzen,

zum Himmel bange

bebend sich richten!

aber droben

die Sonne schläft.

Roh durchs Land die Stürme toben,

lachen kalt der schlichten

furchtsam strebenden Zarten,

heulen ein Lied von Krieg und Streit:

Nur die Starken, Harten

preiset der Reigen

der eisernen Zeit!

 

Duftlos neigen sich

die weißen reinen

scheuen Köpfchen

zur Erde wieder

entsagend nieder

und weinen

selber ins Grab sich.

 

Doch nicht minder,

du einsame Blume,

tröstet dein Blühen

die Menschenkinder.

Nicht ist vergebens

dein kurzes Mühen:

alles des Lebens

Brausen und Glühen,

das uns der Frühling schickt,

du fühlst es nahn!

Mit neuem Glauben blickt

auf seine Bahn,

winkt ihm Dein Gruß,

rastlos wandernd der Mensch.

 

Keimt doch zitternd in Ihm auch

manche lautere Blume

aus dem dunklen Grunde des Herzens,

die verblühen muß,

ehe die andern

sicher strebenden,

mächtiger treibenden

Wurzeln sich regen:

Zielen entgegen! -


Das Gedicht "Schneeglöckchen" stammt von   (1863 - 1920).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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