I.

Was ist es mit dem Leben
Doch für 'ne arge Not,
Muß leiden und muss sterben
Zuletzt den bittern Tod.

Kam ich doch auf die Erden
Ganz ohne Wunsch und Will',
Ich weiß es nicht von wannen,
Und kenn' nicht Zweck noch Ziel.

Es tritt die bunten Auen
Nur einmal unser Fuß,
Für kurze Zeit nur tauschen
Wir Händedruck und Gruß.

Und was uns auch von Freuden
Und Leiden zugewandt,
Das mehret und das mindert
Sich unter Menschenhand.

Drum lasset uns in Freundschaft
Einander recht verstehn
Die kurze Strecke Weges,
Die wir zusammen gehn.

II.

Wie vieler deiner Freuden
Hab' ich umsonst geharrt,
Wie wenig deiner Leiden
Hast du mir, Welt, erspart!

Die einen wie die andern
Ich hätt' sie gern gemißt,
Weil doch ein planlos' Wandern
Das arme Leben ist.

Und ruhen wir am Ziele
Im tiefen Erdenschoß,
Dann gleichen ihre Spiele,
Wer darbte, wer genoß.

Verderbet nicht den einen
Der Freuden frohen Schein
Und seht ihr andre weinen,
Verschärfet nicht die Pein.

Daß keine wehmutreiche
Erinn'rung euch betrübt,
Und man an euch die gleiche
Geduld und Treue übt!


Das Gedicht "Volksweise" stammt von   (1839 - 1889).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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