Ob hoch, ob nieder wir geboren,

so wie uns antritt das Geschick,

so geht der frohe Kindesblick,

das Kinderherz geht uns verloren.

 

Zerstoben bis auf wenige Reste

ist der Erinnerung Gewalt,

abwägend stehen wir und kalt

selbst vor des Jahres schönstem Feste.

 

Wir stehn vor einem toten Baume,

gemordet an des Waldes Rand,

geschmückt mit Flitter und mit Tand,

gar ungleich unserm Kindheitstraume,

 

Doch stürzet dann herein zur Schwelle

die kleine schar mit Jubelschrei,

dann schleicht auch uns in Herz dabei

der Weihnachtslieder frohe Helle.

 

Dem allen, was mit scharfem Sinnen

du an den Dingen dir erschließt

und was du wägst und zählst und misst,

dem läßt kein Glück sich abgewinnen!

 

Drum laß das Kritteln und Verneinen,

und lautern Herzens sei bereit,

zur frohen sel´gen Weihnachtszeit

dem Kinderjubel dich zu einen.

 

Erfasse ganz des Glaubens Fülle,

der deine Kindheit einst durchweht,

vom Gott, der hilfbereit entsteht,

in armer, dürft´ger Menschenhülle.

 

Der Heiland wallt allzeit auf Erden,

das glaube felsenfest und treu,

nur freilich muß er stets aufs neu

in jeder Brust geboren werden.


Das Gedicht "Weihnacht" stammt von   (1839 - 1889).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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