Ich war ′n junges Ding,

Man immer frisch und flink,

Da kam von Borsig einer,

Der hatte Zaster und Grips.

So hübsch wie er war keiner

Mit seinem roten Schlips.

Er kaufte mir ′nen neuen Hut,

Wer weiß, wie Liebe tut.

Berlin, o wie süß,

Ist dein Paradies.

Unsere Vaterstadt

Schneidige Mädchen hat.

Schwamm drüber. Tralala.

 

Ich immer mit′n mit.

Da ging der Kerl verschütt.

Als ich im achten schwanger,

Des Nachts bei Wind und Sturm,

Schleppt ich mich auf′n Anger,

Vergrub das arme Wurm.

Es schrie mein Herz, es brannte mein Blut,

Wer weiß, wie Liebe tut.

Berlin, o wie süß,

Ist dein Paradies.

Unsere Vaterstadt

Schneidige Mädchen hat.

Schwamm drüber. Tralala.

 

Jetzt schieb ich auf′n Strich.

Ich hab′ ′nen Ludewich.

In einem grünen Wagen

Des Nachts um halber zwee,

Da ha′m sie mich gefahren

In die Charité.

Verwest mein Herz, verfault mein Blut,

Wer weiß, wie Liebe tut.

Berlin, o wie süß,

Ist dein Paradies.

Unsere Vaterstadt

Schneidige Mädchen hat.

Schwamm drüber. Tralala.

 

Krank bin ich allemal.

Es ist mir allens ejal.

Der Weinstock, der trägt Reben,

Und kommt ′n junger Mann,

Ich schenk ihm was fürs Leben,

Daß er an mich denken kann.

Quecksilber und Absud,

Wer weiß, wie Liebe tut.

Berlin, o wie süß,

Ist dein Paradies.

Unsere Vaterstadt

Schneidige Mädchen hat.

Schwamm drüber. Tralala.


Das Gedicht "Im Obdachlosenasyl" stammt von   (1890 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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