Drei Geister lassen mir keine Ruh,

Die trinken mein eigenes Blut mir zu!

Der Erst', in Purpur ausstaffirt,

Auf hohem Roß glorifizirt:

Einen Lorbeer trägt er auf seinem Haupt,

Eine Goldkron', die er mir geraubt;

Der sitzt nun lachend auf meinem Thron,

Dort spricht er meinem Jammer Hohn,

Er dünkt an Ruhm und Macht sich mehr

Als ich, der sein geborner Herr!

Mit Blut, das mir zu Häupten quillt,

Hat er den Becher sich gefüllt;

Der trinkt nun zu,

Ohne Rast, ohne Ruh! –

 

Der zweite Geist, ein Männlein klein,

Der wacht bei rothen Goldes Schein

In eines Berges tiefem Schacht,

Ihm leuchtet rings Demantenpracht;

Die Augen stehn ihm starr und stier

Weit aus dem hohlen Haupt herfür;

Um die Schultern hängt zerrissen Gewand,

Einen Becher hält er in seiner Hand:

Aus einem einzigen Edelstein:

Den schenkt er voll mit Blut sich ein,

Mit meiner Adern rothem Blut,

Dieß däucht ein Trank ihm süß und gut.

Der trinkt nun zu,

Ohne Rast, ohne Ruh! –

 

Der dritte ist der ärgste Geist:

Sein Haar wie Sonnenschimmer gleist,

Seine Augen sind saphirblauer Glanz,

Sein Wandeln ist wie Reihentanz,

Seiner Stimme Lispeln wie Harfenklang,

Sein Seufzen tönt wie Sphärensang;

Aus seinem Jungfraunangesicht

Ein sel'ger Maienmorgen bricht;

Wohl scheint er Dir so sanft, so mild,

Doch ist's ein Geist vor allen wild,

Er spaltet lachend meine Brust,

Des Herzens Zucken macht ihm Lust,

Saugt mit den Rosenlippen sein

Daraus die blut'gen Ströme ein.

Der trinkt nun zu,

Ohne Rast, ohne Ruh! –


Das Gedicht "Lied eines Wahnsinnigen" stammt von   (1790 - 1862).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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