Laß, o laß mir Deine Hand;

Zieh' sie nicht so kalt zurücke;

Nimm, Du nahmst's ja schon, mein Glücke,

Laß mir immerhin die Hand!

 

Wenn Du nichts auch für mich fühlst,

Laß mich dennoch weiter träumen,

Laß mich zweifeln, laß mich säumen,

Wenn Du nichts auch für mich fühlst!

 

Gönne mir den armen Trost;

Steh' ich hier doch an dem Grabe

Meiner schönsten, reichsten Habe;

Gönne mir den armen Trost!

 

Wenn auch Deine Hand mich drückt,

Wie sie pflegt' in schönern Zeiten,

Werd' ich's nicht wie Liebe deuten,

Wenn auch Deine Hand mich drückt!

 

Händedruck ist ja nur Gruß,

Liebe bleibt sich nicht so ferne;

Lipp' an Lippe glüht sie gerne,

Händedruck ist ja nur Gruß.

 

Händedruck ist noch kein Schwur,

Ist kein ewiges Versprechen;

Das auch weißt Du, kann man brechen;

Händedruck ist noch kein Schwur! –

 

Darum laß mir Deine Hand;

Was geschieden, bleibt geschieden.

Ach, Du nahmst mir ja den Frieden,

Laß mir immerhin die Hand! –


Das Gedicht "Erloschene Liebe" stammt von   (1790 - 1862).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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