Es läuft der Frühlingswind

Durch kahle Alleen,

Seltsame Dinge sind

In seinem Wehn.

 

Er hat sich gewiegt,

Wo Weinen war,

Und hat sich geschmiegt

In zerrüttetes Haar.

 

Er schüttelte nieder

Akazienblüten

Und kühlte die Glieder,

Die atmend glühten.

 

Lippen im Lachen

Hat er berührt,

Die weichen und wachen

Fluren durchspürt.

 

Er glitt durch die Flöte,

Als schluchzender Schrei,

An dämmernder Röte

Flog er vorbei.

 

Er flog mit Schweigen

Durch flüsternde Zimmer

Und löschte im Neigen

Der Ampel Schimmer.

 

Es läuft der Frühlingswind

Durch kahle Alleen,

Seltsame Dinge sind

In seinem Wehn.

 

Durch die glatten

Kahlen Alleen

Treibt sein Wehn

Blasse Schatten

 

Und den Duft,

Den er gebracht,

Von wo er gekommen

Seit gestern Nacht.


Das Gedicht "Vorfrühling" stammt von   (1874 - 1929).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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