Ich habe dich gehört, doch nicht gesehn —

Die Nacht wand neidisch dich in ihre Schleier,

Mich traf nur deiner Worte süßes Wehn,

Mein Auge glühte, und — mein Herz schlug freier.

 

Denn in der Flamme, die zu deinem Bild

Aus meinem Aug gelodert durch das Dunkel,

Glaubt ich dein Wesen liebevoll und mild

Verklärt zu sehn durch meiner Glut Gefunkel.

 

Da zog mit seiner ganzen Seligkeit

Das tote Glück im Traum an mir vorüber —

Ein süß Erinnern einer schönen Zeit, —

Und wieder ward mirs vor dem Auge trüber.

 

Und nur gehört hab ich dich — nicht gesehn.

So wie ich oft mit traumerfülltem Haupte,

Entfernt von deiner Worte süßem Wehn,

Dein schönes Angesicht zu sehen glaubte!


Das Gedicht "Nächtliches Wiederfinden" stammt von   (1819 - 1904).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

 

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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