Obgleich ich alt geworden bin
  und herzenskrank und schwach,
So ward ich doch stets wieder jung,
  sobald ich von dir sprach.

Gottlob, daß noch ein jedes Ding,
  das ich von Gott begehrt,
Wenn ernstlich ich danach gestrebt,
  mir immer ward gewährt!

Am Heerweg ew’gen Glückes stieg
  ich auf des Glückes Thron,
Und, wie die Freunde es gewünscht,
  mit einem Weinglas schon.

Genieße, junger Rosenbaum,
  des Glückes Frucht, denn ich
Erhob zur Nachtigall der Welt
  in deinen Schatten mich!

Bekannt war von der Welt mir einst
  kein Buchstab’ und kein Laut;
In deines Grames Schule erst
  ward ich damit vertraut.

Und seit dein Schelmenblick mich traf,
  seit jener frohen Zeit
Ward ich von jeder Schelmerei
  der künft’gen Zeit befreit.

Seit jenem Tag erschloß sich mir
  des Sinnes hohes Tor,
An dem des Wirtes Wohnhaus ich
  zum Aufenthalt erkor.

Das Schicksal weiset unbedingt
  mich an die Schenke an,
So sehr dagegen und dafür
  ich auch bisher getan.

Mich macht’ nicht Jahr noch Monat alt,
  der falsche Freund allein,
Der, gleich dem Leben, mir entflieht,
  gab mir des Alters Schein.

Die Huld des Herrn gab gestern nacht
  die frohe Kunde mir:
Hafis, bereue! Für der Schuld
  Vergebung bürg ich dir.

Übersetzung: Ritter V. von Rosenzweig-Schwannau


Das Gedicht "Obgleich ich alt geworden bin…" stammt von   (1319 - 1389).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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