Jetzt, da die Rose aus dem Nichts
  ins Dasein tritt, zum Schmuck der Auen,
In Demut kaum das Veilchen wagt
  zur Herrlichen emporzuschauen –

Sollst Du am Morgenwein Dich freun
  bei Paukenschall und Harfenklange,
Bei Flötenhauch und Feuerkuß
  an junger Schönheit Dich erbauen.

Genieß des Lebens Rosenzeit
  bei Spiel und Sang, im Glück der Liebe.
Nicht über eine Woche Frist
  kannst Du der Herrlichen vertrauen!

Von Blumen glänzt die Erde nun,
  gleichwie der Himmel glänzt von Sternen,
Drum kann ich gute Zeiten nur
  auf Erden wie am Himmel schauen.

Laßt uns im Land den Feuerdienst
  erneu’n des alten Zoroaster,
jetzt, da das Feuer Nimrods selbst
  aus Tulpen schlägt in allen Gauen.

Trink Wein, kredenzt von schöner Hand,
  der neu belebt wie Jesu Odem,
Denk nicht an Ad und an Thamud,
  die Gott verstieß in ewiges Grauen.

Durch Lilienglanz und Rosenglut
  ward nun die Welt zum Paradiese,
Doch über solcher Herrlichkeit
  nie lange will der Himmel blauen.

Die Rose reitet auf dem Wind
  wie weiland Salomo, der König,
Und – gleichwie David – Psalmen singt
  die Nachtigall, voll Gottvertrauen.

Leer den Pokal auf Mahmuds Wohl,
  des wahren Glaubens starke Säule,
Den neuen Assaf Salomos –
  nie zucke Gram um seine Brauen.

Nichts, Hafis, mangelt deinem Glück
  in seiner Gnade Schirm und Schatten,
Drum bitte Gott, du mögest nie
  ein Ende seiner Herrschaft schauen.

Bringt Wein her! Hafis, hoff auf Den,
  der stets Erbarmen dir erwiesen,
Und voll Erbarmen immerdar
  wird Segen auf dich niederschauen.

Übersetzung: Friedrich Bodenstedt


Das Gedicht "Jetzt, da die Rose aus dem Nichts…" stammt von   (1319 - 1389).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Empfehlungen

Passend zur Thematik, ein paar ausgesuchte Gedichte anderer Autoren:



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte