Aller Liebreiz, alle Anmut
  ist auf seiner Wang’ entfacht,
Nur die Lieb und Treue fehlt ihm:
  Hätt’ ihm Gott die zugedacht!

Mein Herzliebster ist ein Kind, er
  wird mich spielend eines Tags
Töten, ohne daß des Blutes
  das Gesetz ihn schuldig macht.

Es ist besser, daß mein Herz ich
  nehme gut in acht vor ihm,
Denn er kennt nicht Gut’ und Böses,
  und er nimmt es nicht in acht.

Einen Abgott, vierzehn Jahr’ alt,
  hold und zierlich, hab ich, dem
Von dem Monde, vierzehn Tag’ alt,
  Huldigung wird dargebracht.

Ein Geruch von Milch aus seiner
  Zuckerlippe atmet noch,
Aber Blut der Herzen träufelt,
  wo sein schwarzes Auge lacht.

Mein Herzliebster, wenn das Herz er
  also schlägt, so wird der Schah
Ihn zum Feldherrn wählen, daß er
  schlägt das Herz der Feindesmacht.

Auf der Spur der jungen Rose,
  lieber Gott, wo ist mein Herz
Hingelaufen, denn ich hab es
  nicht gesehn seit Tag und Nacht?

Meine Seele geb ich dankbar
  aus, wenn jene Perle zart,
Um zu ruhn, die Brust von Hafis
  einst zu ihrer Muschel macht.

Übersetzung: Friedrich Rückert


Das Gedicht "Aller Liebreiz, alle Anmut…" stammt von   (1319 - 1389).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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