Abends, wenn die Fremden beten,
  wein ich, meiner Heimat fern;
Murmle wunderliche Dinge,
  klage meine Leiden gern.

Die Erinn’rung meiner Liebe
  weckt mir solchen Tränenstrom:
Alles möcht’ ich überschwemmen
  unterm weiten Himmelsdom!

Da ich doch des Freundeslandes,
  nicht der Fremde Sprößling bin:
Führe bald, Allmächt’ger, wieder
  mich zu meinen Freunden hin!

Beim alleinigen Gott beschwör ich,
  Führer meiner Reise, dich:
Führe bald zu meines Winzers
  grünem Freudenbanner mich!

Kann ich klugen Leuten gelten
  als ein hochbetagter Greis,
Da ich noch mit junger Liebe
  spiele um der Jugend Preis!

Hier kennt mich nur Ost- und Nordwind,
  sonst bin ich ganz unbekannt;
Keinen andern Freund hier hab ich
  als den Buhlen, »Wind« genannt.

Aus der Liebe Wohnung weht mir
  Luft, die Lebenswasser bringt:
Schaff mir, Ostwind, einen Hauch nur,
  der sich Schiras’ Flur entschwingt!

Wisse, daß einst eine Träne
  Aug’ in Auge mich verriet,
Mir zur Schmach – wem soll ich zürnen,
  da der Herzverräter schied?

Eines Morgens kam von Sohra
  mir das Wort mit Harfenklang:
»Aus Hafisens Munde lernt’ ich
  holde Rede und Gesang.«

Übersetzung: Friedrich Bodenstedt


Das Gedicht "Abends, wenn die Fremden beten…" stammt von   (1319 - 1389).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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