Es währt noch eine kurze Weile,

Daß du durch diese Straße gehst

Hinauf, herab die lange Zeile,

Und manchmal grüßend stille stehst.

 

Bald wird der ein' und andre sagen:

Den Alten sehen wir nicht mehr,

Er gieng an kalt und warmen Tagen

Doch hier sein Stündchen hin und her.

 

Es sei! Des Lebens volle Schalen

Hab' ich geneigt an meinen Mund,

Und auch des Lebens ganze Qualen

Hab' ich geschmeckt bis auf den Grund.

 

Gethan ist manches, was ich sollte,

Nicht spurlos lass' ich meine Bahn.

Doch manches, was ich sollt' und wollte,

Wie manches ist noch ungethan!

 

Wohl sinkt sie immer noch zu frühe

Herab, die wohlbekannte Nacht,

Doch wer mit aller Sorg' und Mühe

Hat je sein Tagewerk vollbracht!

 

Schau' um dich! Sieh' die hellen Blicke,

Der Wangen jugendfrisches Blut,

Und sage dir: In jede Lücke

Ergießt sich junge Lebensfluth.

 

Es ist gesorgt, brauchst nicht zu sorgen;

Mach' Platz, die Menschheit stirbt nicht aus,

Sie feiert ewig neue Morgen,

Du steige fest in's dunkle Haus!


Das Gedicht "Bald" stammt von   (1807 - 1887).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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