Zu melden ist von schrecklichem Gesichte,

Das mich zumeist nach Freudenfesten plagt.

Es träumt mir dann vom jüngsten der Gerichte,

Da zucken Blitze, daß es grausig tagt,

Nach meines Lebens wechselnder Geschichte

Wird unbarmherzig im Verhör gefragt;

Ich wälze mich auf meinem Schlummerkissen

Und jede Sünde fällt mir auf's Gewissen.

 

So zum Exempel, wie beim flotten Mahle

Des Schaumweins Naß, der allzureichlich floß,

Ich aus dem jäh gehobenen Pokale

Auf einer Dame feines Kleid vergoß,

Benebelt auch von ihrer Augen Strahle

Noch etlich Böcke – keine kleinen – schoß,

Dann gegen Spott mich jugendlich erhitzte

Und Sinn und Unsinn durcheinander blitzte.

 

Die Nacht darauf mit Zittern und mit Beben

Stand ich im Traume vor des Richters Thron.

Ach, rief ich, Herr! Bedenke, daß für's Leben

Du mir so etwas – o, du weißt es schon! –

So eine Dosis Wahnsinn mitgegeben:

Laß Gnade walten! Nach Proportion –

Du kannst's in meines Lebens Akten lesen –

Bin ich noch ziemlich ordentlich gewesen.

 

Da steh' ich. Weh! Er runzelt seine Brauen,

Oeffnet den Mund zu tödtlichem Gericht,

Mir schwanet von der tiefsten Hölle Grauen –

Doch seht! Er sinnt – er fällt den Spruch noch nicht;

Ja schon beginnt er freundlicher zu schauen –

Wohl mir: er nickt, er lächelt und er spricht:

Nun, alter Esel! Da, zur Rechten wandre!

Man rechnet dir so Eines in das Andre.


Das Gedicht "Und doch" stammt von   (1807 - 1887).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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