Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn,

Verstand ist stets bei wen'gen nur gewesen.

Bekümmert sich ums Ganze, wer nicht hat?

Hat der Bettler eine Freiheit, eine Wahl?

Er muß dem Mächtigen, der ihn bezahlt,

um Brot und Stiefel seine Stimm' verkaufen.

Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen;

der Staat muß untergehn, früh oder spät,

wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.


Das Gedicht "Was ist die Mehrheit?" stammt von   (1759 - 1805).


Anmerkung

Passend zum Motiv empfehlen wir die Lektüre des Gedichts Mimi von Heine.

Zusammenfassung / Inhalt

Das Gedicht stammt aus dem Dramenfragment "Demetrius" (1. Aufzug), und wird von der Figur des Fürsten Sapieha gesprochen. In dem Drama beschreibt Schiller die historische Figur des Demetrius, der um 1605/1606 russischer Zar war. Das Werk spiegelt die Verantwortung des Einzelnen in der Geschichte wider.

Der Fürst Sapieha wendet sich gegen die reine Quantität von Stimmen, da die Masse oft unvernünftig handle. Es wird auch kritisiert, dass wirtschaftlich Schwache gezwungen sind, ihre Stimme aus Not an Mächtige zu verkaufen. Der Grundsatz „Stimmen wägen und nicht zählen“ stellt die inhaltliche Qualität über die bloße Anzahl von Stimmen.

Hintergrund

Mehrheit (auch Mehrzahl oder Majorität) bezeichnet bei einer Abstimmung oder Wahl die überwiegende Anzahl der Stimmen. Der Gegensatz ist die Minderheit.
In seiner heutigen Form und Bedeutung ist Mehrheit im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert gebräuchlich. Es wurde wahrscheinlich aus dem Niederländischen (meerderheid) ins Deutsche entlehnt.

Es gibt unterschiedliche Arten von Mehrheiten:

  • Eine qualifizierte M. hat, wer einen festgelegten Mindestanteil der Stimmen oder Anteile auf sich vereint (z.B. 2/3 Mehrheit).
  • Eine absolute M. besteht aus 50 % plus einer der möglichen Stimmen.
  • Eine einfache M. besteht, wenn mehr Ja- als Neinstimmen abgegeben werden. Dabei werden Enthaltungen nicht gezählt.
  • Eine relative M. besteht, wenn ein Kandidat/Vorschlag etc. mehr Stimmen auf sich vereint als jeder andere für sich, aber dabei nicht über 50 % gekommen ist.



Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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