Hinter der Trommel her
Trotten die Kälber
Das Fell für die Trommel
Liefern sie selber.
Der Metzger ruft. Die Augen fest geschlossen
Das Kalb marschiert mit ruhig festem Tritt.
Die Kälber, deren Blut im Schlachthof schon geflossen
Sie ziehn im Geist in seinen Reihen mit.
Sie heben die Hände hoch
Sie zeigen sie her
Sie sind schon blutgefleckt
Und sind noch leer.
Der Metzger ruft. Die Augen fest geschlossen
Das Kalb marschiert mit ruhig festem Tritt.
Die Kälber, deren Blut im Schlachthof schon geflossen
Sie ziehn im Geist in seinen Reihen mit.
Sie tragen ein Kreuz voran
Auf blutroten Flaggen
Das hat für den armen Mann
Einen großen Haken.
Der Metzger ruft. Die Augen fest geschlossen
Das Kalb marschiert mit ruhig festem Tritt.
Die Kälber, deren Blut im Schlachthof schon geflossen
Sie ziehn im Geist in seinen Reihen mit.
Das Gedicht "Der Kälbermarsch" stammt von Bertolt Brecht (1898 - 1956).
Zusammenfassung / Inhalt
In Bertolt Brechts Gedicht „Der Kälbermarsch“ (mit Musik von Hanns Eisler, entstanden 1943 im amerikanischen Exil) wird dargestellt, wie Menschen blind einer politischen Führung folgen. Die Soldaten werden symbolisch als Kälber dargestellt, die „im Gleichtakt“ und ohne eigenes Nachdenken ihrem eigenen Schlächter (dem Metzger/Adolf Hitler) hinterherlaufen – direkt in den Schlachthof bzw. in den Tod.
Durch die einfache, liedartige Sprache und die Wiederholungen erinnert das Antikriegsgedicht an ein Marschlied: es ist eine Parodie auf das nationalsozialistische Horst-Wessel-Lied.
Analyse
Das Gedicht „Der Kälbermarsch“ (1943; Epoche der Exilliteratur) besteht aus 6 Strophen mit je 4 Versen.
Die Strophen 1, 3 und 5 sind in freien Rhythmen verfasst. Das Reimschema ist in etwa [abab] aber nicht in allen Strophen durchgängig. Die Kadenzen überwiegend weiblich. Die Strophen 2, 4 und 6 sind identisch (Refrain) und folgen einem Jambus. Das Reimschema ist [abab]. Die Kadenzen sind abwechselnd männlich und weiblich.
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
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