Wer öffnet leise Schloß und Thür?
Wer schleicht in´s Haus herein?
Es ist der Sohn, der wiederkehrt
Zum tauben Mütterlein.
Er tritt hinein! sie hört ihn nicht,
Sie saß am Herd und spann;
Da tritt er grüßend vor sie hin,
Und spricht sie: Mutter, an.
Und wie er spricht, so blickt sie auf,
Und - wundervoll Geschick -
Sie ist nicht taub dem milden Wort,
Sie hört ihn mit dem Blick!
Sie thut die Arme weit ihm auf,
Und er drückt sich hinein,
Da hörte seines Herzens Schlag
Das taube Mütterlein.
Und wie sie nun beim Sohne sitzt
So selig, so verklärt -
Ich wette, daß taub Mütterlein
Die Englein singen hört.
Das Gedicht "Das taube Mütterlein" stammt von Friedrich Halm (1806 - 1871).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
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