Oft ganze Nachmittage

Horch ich am Waldessaum

Des Kuckuks lauter Klage

Von seinem hohen Baum.

Mein Blick irrt durch der Wiesen

Mit Gold durchwirktes Grün,

Bis wo die blauen Riesen

Im Abendrothe glühn.

Rechts jene Bergesstirnen,

Die, sich Titanen gleich

Gesellend den Gestirnen,

Bedrohn das Aetherreich;

Und dort zu meiner Linken

Der hehre Feuerball,

Der immer wächst im Sinken,

Wie die Lawin′ im Fall;

Der Anblick dieser Scene,

Der Landschaft höchste Zier,

Statt Lust, die ich ersehne,

Erweckt nur Wehmuth mir.

Das Sein wird mir zum Traume,

Seh′ ich mit Einemmal

Und in demselben Raume

Zwei Bilder von Verfall:

Den Feuerball verschlungen

Hat unheilfroh die Flut,

Und Dämmerungsgrau verdrungen *)

Des Bergreihns Purpurglut.

Verstummt sind alle Klänge.

Wie todt sind Feld und Wald,

Und Nachtigallgesänge

Und Kuckuksruf verhallt.

Sein Leichentuch verbreitend,

Sargt Nebel ein die Welt;

Und, trüb am Himmel schreitend,

Hellt Mond das Leichenfeld.

*) Wenn Klopstock, ohne Noth, anstatt gerächt, gerochen schreibt, darf ich doch wohl, fast nothgedrungen durch den Reim, anstatt verdrängt, verdrungen sagen.

(Anm. d. Verf.)


Das Gedicht "Abendempfindung" stammt von   (1808 - 1825).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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