Original

Ez stuont ein frouwe alleine
und warte über heide
und warte ir liebes,
so gesách si valken vliegen.

sô wol dir, valke, daz du bist!
du vliugest, swar dir liep ist,
du erkíusest dir in dem walde
einen bóum, der dir gevalle.

alsô hân ouch ich getân:
ich erkôs mir selbe einen man,
der erwélten mîniu ougen.
daz nîdent schoene vrouwen.
owê, wan lânt si mir mîn liep?
joch engérte ich ir deheiner trûtes niet!

Übersetzung auf Hochdeutsch

Es stand eine Frau alleine
Und sah über die Heide
Und wartete auf ihre Liebe,
Da sah sie einen Falken fliegen.

Wie gut für dich, Falke, wie du bist!
Du fliegst wohin du möchtest:
Du wählst dir in dem Wald
Einen Baum der dir gefällt.

So hab's auch ich getan:
Ich suchte mir selbst einen Mann,
Den meine Augen erwählten.
Das neiden mir schöne Frauen.
Oh weh, dass sie mir meine Liebe nicht lassen?
Wahrlich noch nie neidete ich einen der ihren.


Das Gedicht "Ez stuont ein frouwe alleine" stammt von   (1114 - 1170).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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