Maienlüste wehen durch die Haine,

Blüthen brechen aus dem Keim hervor;

In der Sonne mütterlichem Scheine

Richtet sich die Pflanzenwelt empor.

Vögel singen in den grünen Zweigen,

Käfer schweben freudig hin und her -

Doch aus mir will nicht der Winter weichen,

Und das Herz ist mir erstarrt und schwer.

 

Sonst begrüßt′ ich gern das rege Leben,

Das im Lenz sich jugendlich erneut,

Und mit ahnungsvollem, süßem Beben,

Füllte mich des Jahres Erstlingszeit.

Aber jetzt verdunklen bittre Thränen

Mir die frische, lächelnde Natur,

Und des Busens ungestilltes Sehnen,

Zeigt mir Bilder dumpfer Schwermuth nur.

 

Denn der Zauber ist von mir gewichen,

Der mir sonst die öde Welt verklärt.

Ach jetzt dünkt sie leer mir und verblichen,

Nicht mehr ist sie meiner Wünsche werth.

Trennung rief in eine weite Ferne

Meines Lebens einz′ges, höchstes Glück,

Seitdem traten meiner Hoffnung Sterne

In des Kummers finstre Nacht zurück.

 

Wenn uns schwere Träume oft umfangen,

Muth und Kraft uns lähmend in der Brust,

Stillt der Morgen das erträumte Bangen

Mit des fröhlichen Erwachens Lust;

Und wir lächeln über die Gefahren,

Aufgethürmt von schwarzer Fantasie.

Alle Schrecken, welche wir erfahren,

Fliehn vor der Besinnung Harmonie.

 

Möcht′ auch mir dereinst der Morgen glühen,

Der mich weckt aus öder Trennung Traum.

Dann erst wird der Frühling mir erblühen,

Mild und sonnig in des Daseyns Raum.

Doch bis dahin hüllt ein matter Schleier

Jeden Reiz der Erde für mich ein,

Und es strahlt mir nur des Lenzes Feier

In des Wiedersehens Himmelsschein.


Das Gedicht "Trennung" stammt von   (1777 - 1849).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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