Was ist wahre Einsamkeit?

sind wir einsam, wenn das Leben

rings von Stille ist umgeben?

Wenn die rege Fantasie

uns in schaffender Magie

neu beseelt mit süßem Streben

Bilder der Vergangenheit? -

Ist das wahre Einsamkeit?

 

Oder wenn in stillen Gründen,

in des Waldes heil′ger Nacht,

Sonnenglanz in reiner Pracht

durch die leis′ bewegten Wipfel,

durch die glanzumsäumten Gipfel

nur verstohlen blickend, lacht,

und in den verworrnen Zweigen

selbst die kleinen Sänger schweigen?

 

Oder wenn in dunklen Mauern,

in den Kerkers engen Raum,

der Gefangene sich kaum

darf in seinen Ketten regen,

wenn sein Herz mit raschen Schlägen

nährt der Hoffnung Göttertraum,

und geteilt in Freud′ und Trauern,

Ahndungen ihn tief durchschauern?

 

Nein, nur das ist Einsamkeit,

wenn sich Wesen um uns drängen,

denen nicht in zarten Klängen

sich vernehmbar macht das Herz,

oft voll Wärme, oft voll Schmerz -

die uns das Gemüt verengen

durch der Langeweile Leid -

das ist wahre Einsamkeit!


Das Gedicht "Einsamkeit" stammt von   (1777 - 1849).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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