Ich hab′ eine hohe Liebe,

Die nimmt das Herz mir ein,

Die lieb′ ich mehr, als die Sonne,

Als goldenen Tagesschein.

Wenn Nachtigallen flöten

Bei der Violen Duft,

Dann fühl′ ich ihre Nähe

Im frischen Hauch der Luft.

In weite Nebelschleier

Gehüllt den schönen Leib,

So kommt sie ernst gezogen,

Ein majestätisch Weib.

Sie schüttelt ihre Locken

Wohl über die Blumenau,

Und aus den feuchten Schleiern

Träuft segenreicher Thau.

Sie schaut mit Sternenaugen

Bedeutungsvoll mich an,

Mit ihren Wunderträumen

Hat sie mir′s angethan.

Sie flüstert im Hauch der Lüfte

Geheimnißvoll mit mir,

Und was ich denke und träume,

Das Alles dank′ ich ihr.

Sie zeigt mir des Lebens Tiefen,

Des eigenen Herzens Schacht,

Sie spricht mir von himmlischer Ruhe,

Die wunderbar herrliche Nacht.

Die Nacht ist meine Liebe,

Sie nimmt das Herz mir ein,

Sie lieb′ ich mehr, als die Sonne,

Als goldenen Tagesschein.


Das Gedicht "Die Nacht" stammt von   (1815 - 1892).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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