Hab′ an die Dornen nicht gedacht,

Als ich die Rose brach,

Die Blätter sanken über Nacht,

Der Dorn mich blutig stach.

 

Hab′ an den Winter nicht gedacht

Im Frühlings-Sonnenstrahl,

Nun schwand die duft′ge Blumenpracht

Und öd′ ist′s allzumal.

 

Hab′ an das Scheiden nicht gedacht,

Als ich mein Lieb umfing,

Nun kommt der Trennung kalte Nacht,

Die Rosenzeit verging.

 

Daß ich an′s Ende nicht gedacht,

Das macht mir bittern Schmerz,

Das Leid ist kommen über Nacht,

Und bricht mir nun das Herz.


Das Gedicht "Zu spät" stammt von   (1815 - 1892).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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